Film Tipp

Woodys Allens Karamellbonbon-Familienpackung

Lexikon | SABINA ZEITHAMMER | aus FALTER 46/16 vom 16.11.2016

Die USA der 1930er-Jahre sind der Schauplatz von Woody Allens diesjährigem Film. Bobby Dorfman macht sich aus der Bronx nach Los Angeles auf, um bei seinem Onkel Phil, einem einflussreichen Hollywood-Agenten, Arbeit zu finden. Als kleiner Bote steigt er in die Glamourwelt der Stars und Sternchen ein, deren Oberflächlichkeit er nur wenig abgewinnen kann. Umso mehr begeistert ihn die junge Vonnie, Phils Sekretärin. Seine Annäherungsversuche weist Vonnie aufgrund ihrer Beziehung zurück, doch als sie einige Zeit später verlassen wird, gelingt es ihm, ihre Zuneigung zu gewinnen. Schon plant er, sie zu ehelichen, als er erfährt, dass es sich bei ihrem Exfreund um seinen Onkel handelt, der Vonnie immer noch liebt.

In der Folge entwickelt sich die bittersüße Komödie "Café Society" zu einer kleinen Familienchronik: Durchsetzt mit Einführungen des Erzählers (in der Originalfassung Woody Allen selbst) beschäftigt sich der Film nicht nur mit Bobby, der nach New York zurückkehrt, um ins Nachtclubgeschäft seines Bruders einzusteigen, sondern auch mit dem Treiben seiner Eltern und Geschwister. Einer inhaltlichen Notwendigkeit oder einem Ziel folgt dieses Mäandern nicht, höchstens jenem, Allen'sche Themen neu aufzugießen: Von Liebes- und Beziehungsschwierigkeiten über Moralvorstellungen und Religion bis zu einer allgemeinen Daseinsmelancholie fühlt man sich in vertrauten Gefilden, einer doppelten Nostalgie - jener einer vergangenen Ära und der Allen'schen Filmgeschichte - ausgesetzt. Erfreulich gespielt, manchmal spritzig, zumeist sympathisch-belanglos ist "Café Society" vor allem ein Augenschmaus: Zwischen Cremeweiß und Dunkelbraun finden sich in den Kostümen und der Ausstattung alle nur vorstellbaren Nuancen von Karamell.

Bereits im Kino (OF im Haydn, OmU im Votiv)


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