Buch der Stunde

Ungeheuer ist das Synapsenfeuer in der Paranoia


KLAUS NÜCHTERN
Feuilleton | aus FALTER 46/16 vom 16.11.2016

Die Jury zum Deutschen Buchpreis hat den Frankfurter Lokalmatador Bodo Kirchhoff ausgezeichnet, die Kritik sieht das anders: Die aktuelle SWR-Bestenliste wird von Thomas Melle angeführt, Kirchhoff kommt unter den Top Ten nicht vor. Das jüngste Werk des aus Bonn gebürtigen Melle (Jg. 1975) reiht sich ein in die erstaunlich lange Liste autobiografischer Romane und Protokolle, in der sich deutsche Schriftsteller mit schweren und lebensbedrohlichen Erkrankungen auseinandersetzen. Nach Kathrin Schmidt ("Du stirbst nicht", 2009), David Wagner ("Leben", 2013), Wolfgang Herrndorf ("Arbeit und Struktur", 2013) und Benjamin von Stuckrad-Barre ("Panikherz", 2016) berichtet "Die Welt im Rücken" unverstellt von den Schüben der manisch-depressiven Erkrankung, von denen Melle in den Jahren 1999,2006 und 2010 heimgesucht wurde.

Melle ist genetisch vorbelastet: Seine Mutter ist depressiv und suizidal; der leibliche Vater macht sich aus dem Staub, der Stiefvater schlägt ihn. Der junge Mann aus kleinbürgerlichen

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