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Moderne Kunst anstatt Nachrichtenfunk

Lexikon | NS | aus FALTER 46/16 vom 16.11.2016

Die ehemalige Poststelle als Ausstellungsort zeitgenössischer Kunst hat sich bereits in der Lehárgasse, der Börsegasse und in der Dominikanerbastei als Magnet erwiesen. Letzte Woche gab es wieder zwei vergessene Telegrafenämter zu entdecken. Der Kurator Cornelis van Almsick hat in einer eindrucksvollen Halle in der Berggasse 35, wo sich ab 1897 das zweite k&k Telegrafenamt befand, seine Gruppenschau "The High Wire Act" eröffnet.

Den Eyecatcher der gelungenen Schau bildet die interaktive Installation von Julian Palacz, die sich in einem Rundbogen des hohen Saals beinahe altarmäßig ausnimmt. Mittels Kamera und Gesichtserkennung tauchen Besucher zeitversetzt auf den drei übereinander positionierten Screens auf, wobei besonders die formale Machart fasziniert. Wolfgang Lehrners Filmund Fotoinstallation thematisiert den Hochseilakt heutiger Flüchtlingspolitik ebenso wie Andrea van der Straetens Zeltkonstruktion. Kay Walkowiak kombiniert auf Tischchen Sockenmodelle und Weltraumbilder und lässt so an den Spruch vom "großen Schritt für die Menschheit" denken.

Unter dem Titel "Away - Stories from abroad" bespielen die Kuratorinnen Alexandra Grausam und Katja Stecher das spektakuläre, vierstöckige Post- und Telegraphenamt in der Zollergasse 31, das 1906 vom Architekten Eugen Fassbender gebaut wurde. Seit den 1970er-Jahren kann man sich beim Bundeskanzleramt um ein Auslandsatelier bewerben und nun sind 106 ehemaligen Stipendiaten dort mit teils extra produzierten Arbeiten vertreten. Die etwas videolastige Schau ist nach den unterschiedlichen Ländern strukturiert; derzeit werden 17 Atelierplätze in zwölf Ländern vergeben. Als Begleitprogramm finden vier Symposien statt. Die erste Tranche am 16.11. ab 17 Uhr ist der Romantik des Künstlerateliers gewidmet.

Ehem. k&k Telegraphenämter, bis 10.12.


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