"Ich bin der Silbereisen der Köche"

Der TV-Koch Steffen Henssler kommt in die Stadthalle. Ein bisschen kocht er dort auch

INTERVIEW: SEBASTIAN FASTHUBER | Lexikon | aus FALTER 46/16 vom 16.11.2016


Foto: Philipp Rathmer

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Über 860.000 Facebook-Fans hat Steffen Henssler, mehr als viele Popstars. Der Hamburger mit Schnauze ist Deutschlands derzeit erfolgreichster Fernsehkoch. Nebenbei tourt er mit der Live-Kochshow „Henssler kocht auf“ durch die Hallen, nun kommt er auch nach Wien.

Falter: Warum zahlen Menschen, um Ihnen beim Kochen zuzuschauen?

Steffen Henssler: Weil sie mich sehen wollen. Ein Comedian steht auch nur da und erzählt was Witziges, das könnte man in der Kneipe am Tresen günstiger haben. Es geht um die Person. Ich mache keine reine Kochshow, sondern Entertainment. Die Leute kommen nicht zu mir, weil sie glauben, danach besser kochen zu können. Sie wollen einen geilen Abend haben.

Die Zeit nennt Sie „Schlagerstar der Kochkunst“. Tut das weh?

Henssler: Damit habe ich überhaupt kein Problem. Wenn man ein so großes Mundwerk hat wie ich, muss man mit solchen Vergleichen leben. Dann bin ich eben der Florian Silbereisen der Köche.

Haben Sie nicht das Gefühl, manchmal überpräsent zu sein?

Henssler: Oft dreht man ein paar Dinge, ohne wissen zu können, dass die gleichzeitig ausgestrahlt werden. Man darf heute aber auch nicht zu lange weg sein, sonst ist der Nächste da.

Sie waren auch mal der Nächste und haben die Rolle Tim Mälzers als frecher Fernsehkoch übernommen, als der ein Burn-out hatte. Sind Sie nicht gefährdet?

Henssler: Das Burn-out ist so weit von mir weg wie die Erde vom Mars. Bei Mälzer hatte das wahrscheinlich nicht nur mit seinem Arbeitspensum zu tun. Ich arbeite gerne und viel, aber ich habe auch Familie und lebe sehr bewusst.

Neben sich haben Sie Gemüsesticks liegen. Ist das Ihr Mittagessen?

Henssler: Das ist sogar Frühstück und Mittagessen in einem. Ich habe demnächst ein Modeshooting, dafür muss ich ein bisschen in Form kommen und Rohkosttage einlegen.

Was passiert in Ihrer Show
„Henssler tischt auf“?

Henssler: Da gibt es keine Rohkost, es wird laut und rockig. Ich erzähle aus meiner Lehrzeit, wie ich meine Prüfung mit Hängen und Würgen geschafft habe. Und ich spiele ein bisschen Gitarre, das sollte ich übrigens noch üben. Ich koche natürlich auch, aber nicht in der Ausführlichkeit. Das kann höchstens Johann Lafer machen. Bei mir wollen die Leute Action, Geschichten und Spontanität.

Sie sind seit elf Jahren TV-Koch. Keine Abnützungserscheinungen?

Henssler: Natürlich habe ich schon fast jedes Püree gekocht und jedes Fleisch gebraten, aber das Kochen ist mein Vehikel, um die Leute zu unterhalten.

Viele sehen sich Kochsendungen im Fernsehen an, gleichzeitig wird in den Haushalten …

Henssler: … immer weniger gekocht. Eigentlich traurig und verrückt. Es gibt kein Land in Europa, in dem die Leute mehr Geld für die Küche ausgeben. Da sind wir Deutschen klar führend. Im Gegenzug sind wir das Land, wo am wenigsten für Lebensmittel ausgegeben wird.

Woran liegt das?

Henssler: Man nimmt sich keine Zeit mehr fürs Kochen, darauf haben Kochsendungen leider keinen Einfluss. Wir können den Menschen nur zeigen, wie sie einkaufen sollen und dass sie ganz viel hinterfragen sollen. Ein bisschen Bewusstseinsbildung betreiben eben.

Kochen Sie denn privat?

Henssler: Früher kaum, aber es wird immer mehr. Ich schätze daran die Ruhe. Wenn ich mich abends in die Küche stelle, irgendwas zerschneide und nebenbei Radio höre, ist das ein gutes Gefühl. Kochen wirkt entspannend und steigert gleichzeitig die Konzentration. Es ist wie mit Sport: Manchmal muss man seinen inneren Schweinehund überwinden, aber wenn man es erst mal macht, merkt man, wie schön Kochen ist.

Sie haben drei Lokale in Hamburg. Wie groß soll die Marke Henssler noch werden?

Henssler: Fürs Erste konzentriere ich mich auf Hamburg. Ich habe letztes Jahr die Eventfläche „Hensslers Küche“ eröffnet, wo ich Kochkurse anbiete, aber auch viele Veranstaltungen stattfinden. Dazu gibt es den Sushi-Lieferdienst „Henssler at Home“. Und ein Laden wird noch dazukommen.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, Sie in einem Ihrer Lokale anzutreffen?

Henssler: Am Wochenende gar nicht so gering. Aber irgendwann muss man sich entscheiden: Will ich selber im Restaurant stehen und jeden Tag kochen? Oder will ich die ganzen anderen Möglichkeiten wahrnehmen? Der Spruch „Schuster, bleib bei deinen Leisten“ wurde nicht für mich erfunden, darum habe ich mich für Variante zwei entschieden. Als Koch bist du ständig mit schwierigen Arbeitszeiten, Hitze und Stress konfrontiert. Ich liebe diesen Beruf, aber ich muss ihn nicht jeden Tag ausüben.

Wiener Stadthalle, Halle F, Mo, Di 20.00


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