Kunst Kritik

Wenn Kokosnüsse sinnliche Kurven zeigen

Lexikon | NS | aus FALTER 46/16 vom 16.11.2016

Acht Jahre lang betrieben die dänische Kunsthistorikerin Henrikke Nielsen und der Künstler Oliver Croy am Prenzlauer Berg in Berlin eine Galerie, mit der sie nun - aus privaten Gründen - nach Wien übersiedelt sind. Croy wurde durch sein mit Oliver Elser betriebenes und extensiv ausgestelltes Projekt "Sondermodelle" bekannt, bei dem sie die zufällig gefundenen Modellhäuschen des Bastlers Peter Fritz präsentierten; mittlerweile hat er das eigene Künstlertum an den Nagel gehängt.

Als Wiener Standort wählte das Galeristenpaar die feine Adresse Parkring 4. Dort steht das nach dem Industriellen und Kunstmäzen Nikolaus Dumba 1866 benannte Palais, dessen prächtige Ausstattung einst legendär war. Die Miete eines Straßenlokals wäre laut Croy um einiges teurer gewesen als die 170 Quadratmeter großen Räumlichkeiten mit Sternparkett und Blick auf den Stadtpark. Am "sehr persönlichen" Programm wollen die Galeristen trotz Ortswechsels nichts verändern, aber freilich planen sie, sich genauer in der Wiener Szene umzuschauen.

Mit der Galerie begeht auch Nina Beier ihr Wien-Debüt. Die 1975 geborene Künstlerin hat im Vorjahr bei Metro Pictures in New York ausgestellt. Mit ihren jetzigen Skulpturen bezieht sie sich auf die hiesige Kunstgeschichte, wenn sie wie vom Himmel gefallene Kokosnüsse die geflochtenen Sitzflächen von Thonetstühlen durchbrechen lässt.

"Female Nude" nennt Beier diese mit feministischer Schlagseite produzierten Plastiken. Den Gedanken an weibliche Kurven legen die Rundungen der raren Seychellennuss Coco Fesse nahe, die seit dem 16. Jahrhundert in Europa gefragt sind. Weniger eingängig funktioniert der kulturelle Clash bei den zwei Massagestühle der Installation "Manual Therapy", auf denen Metallreste vibrieren, die aus Handys stammen.

Galerie Croy Nielsen, bis 10.12.


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