Film Tipp

Aliens verstehen? SciFi als Üben im Trüben

Lexikon | DR. ROBNIK | aus FALTER 47/16 vom 23.11.2016

Als Titel schlicht, als Chiffre dicht: ,,Arrival" ist in diesem SciFi-Thriller zunächst die von Aliens. Ankunft from space zeitigt prekäre Raumbeziehungen: Wie ein Riesenei schwebt starr ihr Schiff, darunter eine Zeltstadt voller Labors und Kriegsgerät, in der Wissenschaft und Militär um Deutungshoheit bezüglich der Ankömmlinge streiten. Diese laden Menschen zu sich zur täglichen Kurzkonfrontation; das hat etwas von Ritual wie auch von Kurseinheiten.

Drohnenpanorama mit Alien-Ei; Drone-Sounds in pulsiererendem Musikteppich; Abgesandte in oranger Schutzmontur, schwebend im schwarzen Schacht des Schiffs; an einem weißen Sichtfenster dann die Begegnung. Deren Kosmisches, samt globalen Panikwirkungen, die auf Screens mitlaufen, verknüpft der Plot mit dem Intimen: Körper-und Bewusstseinsfunktionen, Atmung und Sprache sind mit Fragezeichen versehen -mitunter ebenfalls auf Screens, oft bei Trübung und Unschärfe des Bildes.

,, Arrival" ist auch das, was kommt: Zukunft macht Angst (fürs Militär sind die Aliens ,,a rival"), aber trotz aller Trübung kann Verstehen entstehen. Eine Linguistin (packend: Amy Adams) steht für Öffnung, Lernwilligkeit wie auch Sich-Aussetzen, als Haltung. Von Anfang an steht infrage, wessen Ankunft der Film erzählt: Sein Ablauf entfaltet ein Motivmuster - traumatische Beziehung und Umkehrung dieser Zeitlogik - um Geburt und Verlust eines Kindes. Das ist rührend -und keinesfalls zu spoilern.

Die Einübung in Zukunft als Risiko kommt in arrivierter Form daher: Denis Villeneuve ist eine sichere Bank für philosophierfreudige Genrevariationen. Forscherin unter martialischen Männern (,,Sicario"); Mindgame, in dem alles an seinen Platz kommt (,Incendies"): Um den Preis einer gewissen Betulichkeit entsteht Faszination. Das kommt gut.

Ab Do im Kino (OF im Artis und Village)


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