Film Neu im Kino

Das Richtige im Falschen: Biopic zu F. F. Jenkins

Eva Kleinschwärzer
Lexikon, FALTER 47/16 vom 23.11.2016

Unsere Welt ist eine unbeschwerte", so wird man bald in das Leben der Florence Foster Jenkins eingeführt, um die sich der gleichnamige Film dreht. Die New Yorker Ikone der 1940er-Jahre zählt zu den skurril-illustren Persönlichkeiten der Stadt und widmete ihr Leben einer einzigen großen Leidenschaft: der Musik. Dies tat sie mit beharrlicher Konsequenz und ungeachtet der Tatsache, dass sie als eine der schlechtesten Sängerinnen bekannt war. Ihre Konzerte galten aufgrund ihrer Kuriosität bald als Tipp für Insider, für die sich Florence Foster Jenkins selbst an die schwierigsten Arien heranwagte und meisterhaft scheiterte.

Meryl Streep verkörpert in Stephen Frears' ("The Queen","High Fidelity") Film nun diese unbeirrbare Frau, die es mit ihrem unerschütterlichen Selbstbewusstsein bis in eine ausverkaufte Carnegie Hall schaffte und von ihrem Publikum für jeden falschen Ton geliebt wurde. Wie viel Bewunderung sie trotz ihrer berüchtigten Auftritte genoss, wird vor allem an ihrem Pianisten und Begleiter Cosmé McMoon (Simon Helberg) sichtbar, in dessen Gesicht sich alles abspielt, was man selbst beim Zusehen empfindet, hin und her gerissen zwischen berstendem Lachen und ungläubiger, liebevoller Anerkennung. Die naive Liebe zur Kunst ist Trumpf.

"Florence Foster Jenkins" ist der Film des postfaktischen Zeitalters schlechthin. Und er zeigt, dass dieses Wort, einer der (vielen) Kandidaten für das Unwort des Jahres 2016, auch in eine andere Richtung interpretiert werden könnte -dass einem nämlich das Gefühl, allen Fakten zum Trotz, manchmal auch sagen kann, dass etwas besser ist als gedacht. Ein Möglichkeitssinn, der ein paar windschiefe, herzliche Zwischentöne hervorzubringen in der Lage ist.

Ab Fr im Kino (OF im Haydn, OmenglU im Burg)

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FALTER 21/19
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