Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | Birgit Wittstock | aus FALTER 47/16 vom 23.11.2016

Die besten Geschichten schreibt das Leben, heißt es, und gerade jetzt, in Zeiten allgemeiner Verunsicherung, ist die Sehnsucht nach dem Echten und dem Wahren besonders groß. Deshalb werden immer mehr reale Geschichten zu abendfüllenden Filmen und Serien verarbeitet - siehe die verfilmten Mordfälle von O.J. Simpson und Amanda Knox.

Auslöser des Hypes um Dokuserien war der Netflix-Zehnteiler "Making a Murderer", der 2015 erschien und von den fehlerhaften Ermittlungen in einem Mordfall erzählt. Die Doku führt den Zuschauern drastische Mängel im US-Justizsystem vor Augen und hinterlässt einen am Ende in der Gewissheit, die beiden Protagonisten seien schuldlos verurteilt worden. Zwar zeigten Recherchen des New Yorker auf, dass auch die Serienmacher bewusst Beweise ausblendeten, die ihrer Geschichte vom "gemachten Mörder" widersprachen, trotzdem forderten mehr als 130.000 in einer Petition die Begnadigung der Verurteilten. Erfolgreich: Einer der beiden wird nun entlassen. Gegen Realtainment hat die Lügenpresse schlechte Chancen.


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