Schafft er das?

Alexander Van der Bellen ringt um die Wiederwahl als Bundespräsident. Es wird eng

Politik | Reportage: Benedikt Narodoslawsky und Nina Horaczek | aus FALTER 47/16 vom 23.11.2016


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Freitagfrüh, Palais Schönburg. Alexander Van der Bellen spricht vor Journalisten. Elf Monate Wahlkampf, hinter ihm enthüllte Sujets, letzte Plakatserie. „Unser Präsident“, „Vernunft statt Extreme“, „Wählen! Nicht wundern“. Am 23. Mai, kurz nachdem das Wahlergebnis bekanntgegeben worden war, ist er hier schon einmal gestanden. Hinter ihm wehten die österreichische und die europäische Fahne. Er wolle das Gemeinsame vor das Trennende stellen, sagte er damals staatsmännisch. Er richtete seine Worte auch an den unterlegenen FPÖ-Kandidaten. „Ich möchte an dieser Stelle nicht versäumen, Herrn Hofer meinen persönlichen Respekt und meine Anerkennung auszudrücken. Und bei aller inhaltlichen Differenz zum sehr engagierten Wahlkampf gratulieren.“ Hofer hatte ihm im Gegenzug zum Sieg gratuliert.

Nun spricht Van der Bellen wieder vor Journalisten. Statt der EU- und Österreich-Fahnen flattern Van-der-Bellen-Fahnen im Wind, der Staatsmann ist wieder zum Wahlkämpfer geworden. Sein Konkurrent ließ die Wahl anfechten. Der Verfassungsgerichtshof hob sie wegen Formalfehler auf, unter anderem hatten Wahlbeisitzer die Kuverts zu früh geöffnet oder Beamte Stimmen allein ausgezählt. Die Wahrscheinlichkeit, dass Hofer in den beanstandeten Bezirken so viele Stimmen gewonnen hätte, dass er auch bundesweit die Wahl hätte drehen können, war laut Hochrechnern etwa tausendmal unwahrscheinlicher als ein Lotto-Sechser.


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