Pop Tipp

Kalte Liebe, süßer Krach und eigenwillige Hits

GS | Lexikon | aus FALTER 47/16 vom 23.11.2016

Für Singer/Songwriter ist es nichts Ungewöhnliches, bei Konzerten alleine auf der Bühne zu stehen, ebenso wenig für Laptop-Elektroniker. In der Welt des Rock 'n'Roll ist dann aber doch die Zweierbesetzung das Minimum. Normalerweise halt. Nur, klar, wo es die Norm gibt, gibt es auch die Abweichung, also die One-Man-Band, wie sie ewiggültig vom US-Musiker Hasil Adkins (1937-2005) definiert wurde. Gleichzeitig die Trommel zu schlagen, die Stromgitarre zu malträtieren und zu singen heißt natürlich, dass es reduziert und klapprig werden könnte. Spannend wird es dadurch freilich auch.

Die leiwandste österreichische One-Man-Band der Gegenwart ist eine One-Woman-Band namens Ana Threat, die nicht nur ihr Outfit, sondern auch ihre musikalische Detailausführung von Tonträger zu Tonträger ändert. Hinter Ana Threat steckt die feministische Wissenschaftlerin und Kulturtheoretikerin Kristina Pia Hofer, die ihr musikalisches Schaffen vor rund 20 Jahren mit Haudrauf-Anarcho-Punk begonnen hatte, irgendwann dann aber zu deutlich interessanteren Ausdrucksformen fand. So spielte sie im mittlerweile stillgelegten Duo The Happy Kids herrlich überdrehten Bubblegum-Comic-Punk mit konzeptuellem Überbau, während sie bei Kristy And The Kraks, ebenfalls ein Duo, nach wie vor Sixties-Girlgroup-Pop mit den Mitteln des Garagenpunk hochleben lässt.

Als Ana Threat veröffentlicht sie nach diversen Kurzformaten nun beim neu gegründeten Wiener Label Cut Surface ihr -stilgerecht nur auf Vinyl erscheinendes - Debütalbum "Cold Lve", das den Rhythmus in den Vordergrund rückt, zwischen Jungle Exotica, urzeitlichem Rock 'n'Roll, Garagenpunk-Futurismus und tanzbarem Minimalismus alle Stückerln spielt und bei allem konzentrierten Eigensinn schlichtweg auch eine der lässigsten österreichischen Popplatten des Jahres geworden ist.

Rhiz, Fr 22.30 (Eintritt frei)


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