Ohren auf Österreichische Duette

Von Dachböden, Wohnzimmern und der Wildnis

Feuilleton | Stefanie Panzenböck | aus FALTER 47/16 vom 23.11.2016

Das Duo Ramsch und Rosen liebt Zeitreisen. Auch auf ihrem zweiten Album "Bergen" (Lotus) haben Julia Lacherstorfer und Simon Zöchbauer wieder die Dachböden österreichischer volksmusikalischer Vergangenheiten durchsucht, Traditionelles aus dem 18. bis 20. Jahrhundert hervorgeholt und neu arrangiert -wobei auch Stücke Béla Bartóks und Eigenkompositionen zu hören sind. Lacherstorfer und Zöchbauer spinnen die alten Texte weiter und lassen Weltmusiken etwa aus Schweden einfließen, ohne vergessen zu machen, dass es sich hier um uralte Jodler und Tänze handelt. Mit ihren klaren, wunderbar zueinander passenden Stimmen loten sie Höhen und Tiefen aus, die sie, je nach Stück, mit Geige, Bratsche, Zither, Trompete, Flügelhorn und anderem instrumentieren.

Konträr dazu kehren Vesselsky/Kühn auf ihrem ersten gemeinsamen Album "Wauns amoi so aufangt"(Donauwalzer) Gegensätze hervor. Irmie Vesselsky machte bisher mit Klavierballaden und hellem, eindringlichem Gesang auf sich aufmerksam; der Autor Wolfgang Kühn trat in seinen musikalischen Projekten mit rauer, kratzender Stimme als Rezitator in Erscheinung, kritische Texte im Dialekt und musikalischer Eigensinn inbegriffen. Das Ergebnis der Zusammenarbeit ist ein Ausflug in die Wildnis österreichischer Musik, eine Schichtung und Verschachtelung dieser Gegensätze, die sich mühelos ineinander fügen.

Verena Doublier und Sebastian Radon alias Wiener Blond präsentieren nach ihrem Überraschungserfolg "Der letzte Kaiser" den Nachfolger "Zwa" (crowd &ryben). Mit Beatboxing und oft witzigen, aber meist oberflächlichen Texten, in denen sie Wiener Klischees vom Wein bis zum Kaiserschmarren besingen, haben sie es sich im Wohnzimmer der heimischen Musik gemütlich gemacht. Sehr bekömmlich. Warum auch nicht.

Wiener Blond live: Musikverein, 24. und 26.11.


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