Wem das Ührchen tickt

Christoph Ransmayrs historischer Roman "Cox" entpuppt sich als feinsäuberlich lackierte Chinoiserie mit Erklärungsnotstand

Feuilleton | Buchkritik: Christoph Bartmann | aus FALTER 47/16 vom 23.11.2016

Alister Cox hat es nie gegeben, erklärt Christoph Ransmayr am Ende seines Romans, wohl aber einen Londoner Uhr-und Automatenmacher namens James Cox, der, freilich anders als Alister, nie in China war. Wie der historische Cox ist auch sein erfundener Vetter umgetrieben von der Idee einer unendlichen Uhr oder "Perpetual Motion", wie James Cox sie nannte.

Eine Uhr, die Energie aus dem Nichts erzeugt und damit allen Naturgesetzen Hohn spricht: Dieses Projekt ist gerade verrückt genug für Qiánlóng, den gottgleichen Kaiser von China, der sich bescheidenerweise als "Herr der zehntausend Jahre" titulieren lässt, aber doch eigentlich die Herrschaft über alle Zeiten und noch mehr über das Phänomen Zeit an sich anstrebt. Also lädt er, der erfundene, nicht der historische Kaiser gleichen Namens, im Jahre 1753 den Uhrmacher aus London zusammen mit einigen Assistenten an den Kaiserhof nach Beijing ein, auf dass dieser ihm die absolute Uhr baue.

"Cox erreichte das chinesische Festland unter schlaffen


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