Die Poesie der Ereignislosigkeit

Der Künstler Peter Dressler betrachtete Wien durch die Brille der Pariser Surrealisten. Seine heiteren Studien über menschliche Abgründe werden nun wiederentdeckt


Porträt: Matthias Dusini
Stadtleben | aus FALTER 47/16 vom 23.11.2016


Bild: Fotohof Archiv Salzburg

Bild: Fotohof Archiv Salzburg

Im Frühjahr 2011 stieg der Künstler Peter Dressler für das Fotoprojekt „Wiener Gold“ in die Straßenbahn und begab sich auf Goldsuche. Er hatte einen Pickel dabei, um die Erde aufzulockern, die er dann durch ein Sieb schüttelte, und siehe da, unter der Lupe zeigte sich ein Nugget. Dresslers fotografische Erzählung war ein Kommentar zur Finanzmarktkrise. Während Banken und Konzerne zusammenbrachen, griff der kleine Mann auf bewährte Methoden der Bereicherung zurück. Nach dem Börsendelirium erinnerte er sich an den Goldrausch vergangener Zeiten.

Eitelkeit und Gier sind Themen des Künstlers Peter Dressler, der für seine Bilderzählungen und Fotoserien Paris und Wien zum Hintergrund wählte. Das Kunsthaus Wien stellt in der Retrospektive „Wiener Gold“ einen viel zu wenig beachteten Künstler vor, der in unscheinbaren Details die Eigenheiten und Sehnsüchte der Menschen in einer Metropole aufstöberte.

Peter Dressler wurde am 17. September 1942 im rumänischen Kronstadt/Brașov geboren und kam als Kind mit seiner Familie nach Österreich. Er ging in Graz zur Schule, dann studierte er an der Wiener Akademie Malerei. Statt zum Pinsel griff er zur Kamera und schuf ein kleines, ebenso humorvolles wie geistreiches Werk. Von 1972 bis zu seiner Pensionierung 2008 unterrichtete Dressler an der Akademie der bildenden Künste Wien, ohne dass sein Name einer breiteren Öffentlichkeit geläufig geworden wäre.

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