Enthusiasmus Kolumne der Superlative

Die beste Königin der Welt der Woche

Feuilleton | Nicole Scheyerer | aus FALTER 47/16 vom 23.11.2016

Sie war die böse, böse Schwiegermutter, die für Prinzessin Diana nur tadelnde Blicke übrig hatte. Das blaue Blut von Queen Elizabeth II. erschien noch viel kälter als das anderer Königinnen, und auch ihre biederen Kostüme und Hüte nervten.

Dann kam "The Queen": Neun Jahre nach Lady Dis Tod rollte Stephen Frears' Film das ignorante Verhalten des Königshauses nach dem Autounfall von Prince Charles' Exfrau auf.

Im Zusammenspiel der großartigen Hauptdarstellerin Helen Mirren und des Drehbuchs von Peter Morgan wirkte die britische Königin plötzlich wie die bemitleidenswerte Frau Kapitän eines Tankers, der -unfähig, vom gewohnten Kurs abzudrehen -mitten in den Sturm steuert.

Durch "The Queen" lernte man die britische Regentin freilich nicht zu lieben, aber vielleicht auf eine Weise zu achten wie eine strenge, altmodische Lehrerin. Nun rüttelt jedoch die neue Netflix-Serie "The Crown" an den Fundamenten der Ressentiments gegen die mächtigste Frau Großbritanniens.

In einer überaus geschickten Montage unterschiedlicher Zeitebenen lernen wir darin die junge "Lilibet" kennen, wie sie innerhalb der Familie auch noch als Königin zärtlich genannt wird. Ihr lieber, stotternder Vater George VI. wird von Jared Harris ebenso glänzend dargestellt wie sein arroganter Bruder, der Duke of Windsor, von Aljavascript:;ex Jennings.

Claire Foy verkörpert als Elizabeth II. zwar keine Heldin, aber es ringt doch Respekt ab, wie sie ihren machoiden Gatten Prinz Philip und ihren Übervater Winston Churchill in Schach hält.

Die Serie zeigt den Umbruch, den die "moderne" Königin widerspiegelte, die Ausstattung ist herrlich, die Dialoge auch -besteht nur die Gefahr einer unrevidierbaren Weichzeichnung des Originals à la "Sissi".


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