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Öffi-Werbung: Wien, schau nach Berlin!

Medien | Werbeschau: Florian Klenk | aus FALTER 47/16 vom 23.11.2016

Das ist schon eine Leistung: Die Wiener Öffis sind sauber, sicher und pünktlich. Ausfälle sind die Ausnahme, und überall werden U-Bahn-Tunnel in die Erde getrieben.

Und was plakatieren die Wiener Linien? Grantige Gfrießer, genervte Pensionistinnen und angewiderte junge Frauen. "Ihm geht es dreckig!" steht unter den Bildern, oder "Sie kann es nicht mehr hören","Ihm stinkts!", oder "Sie kotzt es an!".

Die allgegenwärtigen Grantler sind Teil der "Fahr fair!"-Initiative, die die Wiener Linien seit Oktober in ganz Wien plakatieren und die jeden Wiener an den Stationen in ein angefressenes Gesicht blicken lässt.

Die nicht minder genervten Neos haben diese Selbstanklage sofort überklebt. "Sie kotzt es an", dass "Steuergeld für sinnlose Kampagnen" ausgegeben wird, plakatierte Neos-Obfrau Beate Meinl-Reisinger. Alles eher etwas humorlos, leider.

Hätten die Wiener doch nach Berlin geschaut. Denn dort ist die Öffi-Kampagne ungleich lustiger und schräger. In einem Youtube-Spot will ein Kunde eine Monatskarte um 60,66 Euro kaufen. Als er fragt, wieso die so teuer ist, führt ihn der Verkäufer der Verkehrsbetriebe in ein Schattenreich, wo ein Eichhörnchen wie beim Lotto eine "Verspätungsziehung" durchführt ("Linie 12 kommt zwölf Minuten zu spät"), die unverständlichen Durchsagen von mampfenden Sprechern perfektioniert werden, die Öffi-Belegschaft sich am Bremsbowling ergötzt (wo fliegen mehr Fahrgäste um?) oder die Busfahrer die perfekte Knopfdrucktechnik lernen, damit dem Kunden der Bus rechtzeitig die Tür vor der Nase zuknallt. Das alles koste eben.

Man lernt: Wir haben die besseren Öffis. Die Berliner mehr Schmäh.


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