Theater Kritiken

Waechter und sein Kampf mit "Mein Kampf"


MP
Lexikon | aus FALTER 47/16 vom 23.11.2016

Darf Adolf Hitlers antisemitische Programmschrift auf die Bühne, nur weil die Urheberrechte da ran seit kurzem frei sind? Natürlich. Muss sie? Alexander Waechter findet: ja, klebt sich ein Bärtchen auf und baut auf seine eigene kleine Bühne die Zelle, in der Hitler 1924 den ersten Band zu "Mein Kampf" niederschrieb. Hier deklamiert er vor allem biografische, aber auch ideologische Auszüge des Textes. Ein mutiges Unterfangen, doch Alexander Waechter scheitert am Fehlen sowohl einer Regie als auch jeder schauspielerischen Distanz. Im harten, schon oft parodierten Hitler-Ton liest und spielt er gleichzeitig, will den Text psychologisch verinnerlichen, während dieser als das Manifest, das er ist, null szenisches Potenzial bietet. So applaudiert man am Ende einem "authentischen" Adolf Hitler für dessen abstoßende Ausführungen. Ein seltsames Gefühl.

Franzsjosefskai21, Fr, Sa, Di-Do 20.00


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