Willkommen in Glashausen

Auf diesem Acker vor Frauenkirchen soll ein Mega-Glashaus entstehen. Die Kritiker werden vom Landeshauptmann niedergemacht. Warum bloß?


Reportage & Fotos: Barbara Tóth
Landleben | aus FALTER 47/16 vom 23.11.2016


Foto: Barbara Tóth

Foto: Barbara Tóth

Über Nacht war es dann plötzlich da, das neue Wahrzeichen von Frauenkirchen. Nun steht es am Weg von Podersdorf nach Frauenkirchen neben der Landstraße, gleich gegenüber dem hässlichen Umspannwerk, in Sichtweite der Kriegsgefangenengedenkstätte. Es ist aus Holz gezimmert, sieben Meter hoch, gut zwei Meter breit und ragt wie ein filigraner Türrahmen in den blitzblauen Winterhimmel. Es windet gerade wieder sehr im östlichsten Zipfel Österreichs, vom Süden fegt der Föhn über die flache Landschaft, verfängt sich in den Weinreben und bringt den Holzrahmen zum Zittern. „Wird scho hoidn!“, sagt Matthias Allacher stolz und blickt rebellisch Richtung Süden, dort, wo sich die Silhouette Frauenkirchens mit seinen beiden Basilikatürmchen am Horizont abzeichnet.

Frauenkirchen, das ist totale Ebene, absolute Blickweite. Für Älpler ist das vielleicht ein Horror, für Seewinkler Gnade und Inspiration. Frauenkirchen ist gleichzeitig auch Landeshauptmann-Hauptstadt. Hier begann der Sozialdemokrat Franz Niessl seine politische Karriere, hier war er Schuldirektor, dann Bürgermeister. Eine aufwendige Fußgängerzone und die leicht megalomanische St.-Martins-Therme im Südosten des Ortes zeugen von seinem Gestaltungswillen. Jetzt soll der Ort noch ein Niessl-Denkmal bekommen.

Abo hier bestellen Abo hier bestellen
Bestellen Sie hier ein FALTER-Abo Ihrer Wahl und erhalten Sie sofort einen Digitalzugang, um Artikel kostenfrei zu lesen.
Wenn Sie kein FALTER-Abo haben, können Sie diesen Artikel hier einzeln kaufen, als neuer Nutzer kostenfrei mit Startguthaben.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige