Menschen

Like a Rolling Steiner

Kolumnen/Zoo | Lukas Matzinger Josef Redl | aus FALTER 47/16 vom 23.11.2016

Den Ort für seinen Abschied hatte Dietmar Steiner mit Bedacht gewählt. Nach 23 Jahren an der Spitze des Architekturzentrums Wien geht er Ende des Jahres in den Ruhestand. Nicht ohne noch ein paar Herzenswünsche hinterlassen zu haben. Daher fand die Abschiedssause im Semper Depot der Akademie der bildenden Künste statt. Ein Architekturmuseum im Semper Depot ist seit Jahren eines der dringenden Anliegen Steiners. Der ehemalige Rektor der Bildenden, Stephan Schmidt-Wulffen, fand deshalb auch Eingang in Steiners Abschiedsrede. Dieser habe ihm das Semper Depot einst angetragen und dann einen Rückzieher gemacht. "Dann ist er dort gelandet, wo er hingehört, in St. Pölten", wähnte Steiner zumindest ein wenig ausgleichende Gerechtigkeit im Karriereweg Schmidt-Wulffens, der nach seinem Ausscheiden bei der Bildenden die News Design University in St. Pölten übernahm.

Das zweite Anliegen, das Steiner gewohnt pointiert hinterließ, ist der Ankauf der Villa Beer des Architekten Josef Frank. Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny nahm den Auftrag stoisch zur Kenntnis und erinnerte in seiner Laudatio leidvoll-melancholisch an Steiners Angewohnheit, zu nachtschlafener Zeit E-Mails zu verschicken, deren Tonalität keinen Aufschub duldete. Maria Vassilakou konnte ebenfalls launige Anekdoten beisteuern und hat eine Ausfahrt mit Steiner in dessen SUV vereinbart. Steiners Nachfolgerin Angelika Fitz, Architekturfotografin Margherita Spilutt ini, der französische Star und Erschaffer des DC Tower in Wien und der Nationalbibliothek in Paris, Dominique Perrault, sowie der Architekt und Schriftsteller Friedrich Achleitner waren auch da. Eine ebenso spontane wie ausufernde Rede von Heidulf Gerngross erstickte ein beherzter Tontechniker im Keim.

In der Wiener Kabarettszene ist SOSO eine echte Nummer -und das nicht nur, weil er gute Witze macht. Der Mann mit dem schönen Taufnamen Simplice Mugiraneza veranstaltet immer wieder witzige, kleine Comedy-Abende nach amerikanischem Vorbild - viele Künstler, kurze Auftritte, dazwischen gerne Livemusik. Am vergangenen Freitag lud SOSO zu seinem "Schmäh kontra Rassismus". Die Idee ist, Sie ahnen es, rassistische Ausgeburten des Alltags mit Witzen zu bekämpfen. In der Volkshochschule Donaustadt waren diesmal Jack Nuri, Gino Cultura, Chris Stephan, Christoph Fritz und die Soulband 27Beats seine Gäste. Leider waren trotz freien Eintritts nicht viele Leute dort. Beim nächsten Mal, im März im Kabarett Vindobona, sollen's wieder mehr werden.

Und sonst ist in Wien schon wieder Weihnachtszeit, weshalb dieser Tage überall unter mehr oder weniger großem Trara mehr oder weniger leiwande Christkindlmärkte eröffnet werden. Auf dem Riesenradplatz, vor der Landstraßer Mall und im ersten Bezirk ganzheitlich steigt die Dichte an Dichten dieser Tage dramatisch an. Immerhin lassen sich dann Events wie die Mr. Austria-Wahl (Samstag), eine Autogrammstunde des Herr-der-Ringe-Stars Billy Boyd bei der Vienna Comic Con (Samstag &Sonntag, 40 Euro pro Unterschrift) oder ein Stadthallenkonzert des vielleicht kleinsten gemeinsamen Nenners der U-Musik, Red Hot Chili Peppers (Montag), ertragen.


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