Neue Bücher

Zwei Autoren reflektieren über das Schreiben

Feuilleton | aus FALTER 47/16 vom 23.11.2016

A. L. Kennedy hat Temperament und eine große Klappe. Die schottische Autorin legte im Jahr 2000 mit dem Erzählband "Gleißendes Glück" einen fulminanten Karrierestart hin und ist seitdem eine fixe Größe im internationalen Literaturbetrieb. Ihre Bücher sind aufwühlend und brutal, komplex und komisch, sie handeln von der ganzen Welt und kaum oder nur sehr verschlüsselt von Kennedy selbst.

In "Schreiben" plaudert Kennedy aus dem Handwerk, erzählt von den Mühen von Überarbeitungen und Lesereisen, von ihrem Gesundheitszustand und gibt Schreibtipps: sein Leben aufmerksam zu beobachten, etwa, nur über das zu schreiben, was einen begeistere. "Ein Roman ist eine neue Welt, bevölkert und ausgestattet mit nie Dagewesenem und vielleicht sogar Unmöglichem." Es sei "sowohl leichter als auch lustiger, sich Sachen auszudenken". Eine anregende Lektüre - und ein guter Anlass, Kennedys Literatur wiederzulesen. KB

A. L. Kennedy: Schreiben. Blogs & Essays. Edition Akzente Hanser, 208 S., € 22,70

Thomas Stangl gehört zu den Philosophen unter den heimischen Autoren. Er geht von den Wörtern aus, um zur Wirklichkeit zu gelangen. Sie findet er in jenem "Innenraum, aus dem die Texte eigentlich entstehen". Das "unschuldig-deutungslose Zeichensein; das Glück, dieses Struktur-und Zeichenseins" bildet den Kern seiner Philologie, einer glühenden Liebe zur Literatur.

"Literatur ist Sprache, die weiß, dass sie Sprache ist; sie ist Sprache, die zugleich ( ) etwas wie körperliche Wirklichkeit beansprucht; sie ist Sprache, hinter der keine gesicherte (anwesende) Sprecherperson steht". Stangl reflektiert über Fotografie und Film, er sucht nach den Grenzen der Genauigkeit, der Revolution und der Moderne. Dabei lernt man seinen Kanon kennen, von Franz Kafka über Jean-Luc Godard bis zu Peter Weiss. Er gibt auf wenigen Seiten viel und feinsinnig zu denken. Schreibtipps wird man bei ihm vergeblich suchen. KB

Thomas Stangl: Freiheit und Langeweile. Essays. Droschl, 109 S., € 18,-


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