Selbstversuch

Die Vernunft hat mehr als 50 Prozent

Doris Knecht wird auch diesmal recht gehabt haben

Kolumnen | Doris Knecht | aus FALTER 48/16 vom 30.11.2016

Kürzlich im Radio: die bezaubernde Mavie Phoenix, deren Track "Quiet" eh die ganze Zeit auf FM4 rennt und der einem nie langweilig wird. So eine supertolle Nummer, so eine großartige Musikerin. Auch wenn ich mich ein wenig scheue, das zu sagen, weil: Phoenix ist eine so circa 20-jährige Linzerin, und sie sagte in dem Interview in der Morning Show, ja, FM4 sei ihr eh vertraut, das habe ihr Vater immer gehört.

Hahaha. Tut er vermutlich immer noch. Und vermutlich kennt man den von irgendwelchen Konzerten im Flex, im Wuk oder in der Arena, auf denen man früher war. Und jetzt sind wir da, wir und FM4: in dem Alter, in dem wir unsere eigenen Kinder oder die von Freunden im Radio hören oder interviewen, wo sie uns von der Seite zu verstehen geben, dass wir alte Säcke sind. Eh irgendwie okay, aber.

Ebenfalls kürzlich wurde hier behauptet, dass die Teenager heutzutage nur noch whatsappen und nicht mehr skypen, und ich kann nun sagen: Hier irrte ihre Autorin. Das war nicht richtig. Selbiges lernt man auf die brutale Art, als man spätabends ahnungslos und untertextiliert das Zimmer eines Teenagers betritt, um ihm eine gesegnete Nacht zu wünschen. Der Abendgruß wird enthusiastisch von vier Teenager-Stimmen retourniert, während drei ihrer Besitzer einem begeistert vom Handyscreen des Teenagers entgegenwinken, das einem der Teenager ungewohnt beflissen entgegenhält, während man eilig hinter der Tür Schutz sucht: Hallo, Mutter von Mimi! Schlaf gut!

Hallo, Freunde von Mimi, ich bin dann mal weg, und ihr solltet auch langsam ins Bett.

Hahaha, lustig!

Sie sind alle wahnsinnig nett, jedenfalls zu mir. (Eine von ihnen hab ich kürzlich mit der eigenen Mutter telefonieren gehört, da lag der Tonfall etwas anders.) Und ein paar von ihnen sind in der Zwischenzeit ins Wahlalter gekommen, das macht mir große Zuversicht.

Überhaupt habe ich Hoffnung, wie immer, wenn mir alle das Schlimmste prophezeien und allerweil beschwören, dass alles schon verloren sei. Das glaube ich nicht. Ich glaube weiterhin daran, dass die Anzahl der Leute, die einen toleranten, maßvollen, international vorzeigbaren Bundespräsidenten wollen, von dem man keinen Rückfall in den Faschismus zu befürchten hat, größer ist als die, die leichtfertig ihre und die Freiheit aller anderen aufs Spiel setzen wollen.

Ich glaube immer noch, dass die Vernunft in Österreich mehr als 50 Prozent hat. Und ich sage das, schimpfen Sie mich ruhig abergläubisch, auch deshalb, weil ich mit meinen Prophezeiungen bisher immer recht hatte (wenn auch nicht immer im veranschlagten Ausmaß) und auch diesmal unbedingt recht haben möchte und hoffe, nächsten Montag hier mit der üblichen Überheblichkeit vermelden zu können, dass ich wieder einmal recht hatte, übrigens, falls Sie es vergessen haben.

Also sage ich euch: Wir werden nächste Woche einen UHBP elect Van der Bellen haben. Es wird alles gut.


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