Nüchtern betrachtet

Schmuseabbruch und Stiftannahme

Klaus Nüchtern berichtet aus seinem Leben. Die Kolumnen als Buch: faltershop.at/nuechtern

Feuilleton | aus FALTER 48/16 vom 30.11.2016

In letzter Zeit zeigt die Welt eine auffällige Neigung, in meiner Gegenwart intim zu werden. Ich finde das im Prinzip erfreulich, sofern sie sich dafür nicht den Großraumwaggon oder das Wirtshaus aussucht, in dem ich mich gerade aufhalte. Bevor man mich der bissgurnhaften Benimmtantenhaftigkeit zeiht, möchte ich anmerken, dass ich gar nicht so bin. Ich habe nichts dagegen, wenn sich junge Menschen zu einem Kuss hinreißen lassen, der die Schicklichkeitsparameter der legendären Frau Nowak überschreitet, die seinerzeit im Gmoakeller händchenhaltende Paare zu maßregeln pflegte. Wenn sich turteltaubenhaftes Gekose hingegen auf Spielfilmlänge ausdehnt, halte ich das für einen Missbrauch des öffentlichen Raumes, der durch das aufmerksame Servierpersonal höflich unterbunden gehörte.

Ich schätze an meinem Stammlokal, dass mir das Personal wortlos eine Halbe zapft, sobald ich es betrete, und sich nach etwaigem Nachschubbedürfnis erkundigt, wenn das Glas leer ist. Ansonsten möchte


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