Film Neu im Kino

Richtungsentscheidung, im Absturz wiederholt: "Sully"

Lexikon | Dr. Robnik | aus FALTER 48/16 vom 30.11.2016

Am 15. Jänner 2009 notlandete US-Airways-Captain Chesley Sullenberger nach Triebwerksausfall gleich beim Start seinen Passagierjet auf dem Hudson River. Alle überlebten; Twitter bot eine frühe Probe seines Themensetz-Tempos; das Volk feiert den Piloten und Flugsicherheitskleinunternehmer als Retter. Fünf Tage später wurde Barack Obama erstmals als Präsident angelobt.

Das zeigt Clint Eastwoods US-Kinoerfolg "Sully". Also den Piloten, der aus Erfahrung richtig handelt - und dann von einer staatlichen Kommission bedrängt wird: War die Entscheidung, keinen Flughafen anzusteuern, zu riskant? Das setzt ihm zu, auch der Medienrummel. Mit dem Dackelblick von Tom Hanks - Leidensikone des auf küstennahen Wassern der Zeitgeschichte strandenden US-Subjekts - schaut er aus Fenstern, joggt er in die Nacht. Jugenderinnerungen: Ach, die Air Force! Am Ende Gerichtsdrama: Kommission tagt, Simulation irrt, Computerbürokratie verkennt das Menschliche. Männliches Charisma gegen entfremdetes Establishment, Bild scharf, Klavier zart: Eastwood-Klassik. Plot und Abspann sagen: Heroisch ist auch das kooperative Kollektiv - Passagiere mit Katastrophenfilmflair und Airlinepersonal mit Seele (weiß), Rescue Workers in Uniform (Latino und schwarz), Taxler und Standlerin (indisch). Die Landung läuft mehrmals variiert ab: Alptraum, Vision, Sim-Flug, Sinkflug, Aufprall. Ausgang an sich fix, aber durch Wiederholung wieder spannend.

Was lehrt uns "Sully" (und andere Sternstunden des autoritären Amerika)? Aus endlos wiederholter Richtungsentscheidung steigt ein trostspendender Landespatriarch auf. Das muss kein martialischer Flug- und Sicherheitsexperte sein; viel besser kommt er als erfahrener, medienscheuer älterer Herr mit Bart und Doppel-L im Nachnamen.

Ab Do im Kino (OF im Artis und Village)


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