Die Glosse vom Falter

Punkterl

Falter & Meinung | aus FALTER 48/16 vom 30.11.2016

Lieber ehrlich zerstören als verlogen konservieren. Das dachte sich der britische Sammler Joseph Corré und verbrannte einen Haufen wertvoller Punk-Devotionalien öffentlichkeitswirksam auf einem Boot auf der Themse. "Punk hätte niemals nostalgisch werden dürfen", sagte der Sohn der Designerin Vivienne Westwood und des 2010 verstorbenen Sex-Pistols-Managers Malcolm McLaren.

Es wäre nicht das erste Mal, dass Fans das Wahrheitsdogma der Avantgarde ernst nehmen. Im MoMA New York schrieb ein Bilderstürmer 1974 mit roter Farbe "Kill All Lies" über eine Vorarbeit zu Picassos "Guernica". 1997 sprühte ein Moskauer Künstler ein Dollarzeichen auf einen Malewitsch - um die Korrumpierung der Revolutionskunst bloßzustellen.

Der Punk-Revolte war jedes Mittel recht, um Aufmerksamkeit zu erregen - auch der Fake. Vielleicht huldigte auch Corré dem Great Rock 'n'Roll Swindle und verbrannte nur Attrappen. Dann hätte die Werbekampagne für die nächste Punk-Auktion ihr Ziel erreicht.


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