Menschen

An jedem verdammten Samstag

Falters Zoo | Lukas Matzinger | aus FALTER 48/16 vom 30.11.2016

Mindestens 52 Samstage hat das Jahr. Und jeder beinhaltet mindestens noch einmal so viele Möglichkeiten, gestaltet zu werden. Wenn eine Großstadt ihre Mühen aus Stau und Stress und Laut wert ist, dann an ihren Samstagen. Zum Beispiel Wien. Zum Beispiel am vergangenen Samstag.

In den Sofiensälen veranstaltete das Lifestyle-Magazin Wiener die erste Wiener Handwerksmesse. Was eine gute Idee zu sein schien. 4000 Besucher kamen übers ganze Wochenende und haben allerhand schöne Dinge angeschaut und vorbestellt, die möglichst zur Gänze in Wien gefertigt sein sollten. Zum Beispiel Brillenfassungen von Rolf Spectacles, Schreibsachen von List&List, Messer von Lilienstahl, Seifen von Sonja Baldauf oder Maßschuhe von Wieser Shoe Design.

Solche Marken eben, bei denen sich Handwerk mit Wörtern wie "funktionales aber zeitloses Design" erklärt, das aus "ressourcenschonenden Manufakturen" kommt, bei denen "der soziokulturelle Aspekt" mitgedacht wird.

Natürlich sind das in Wirklichkeit lauter gute Produkte, worauf immer mehr Leute, die sich das leisten können, beginnen zu stehen.

Später, am Abend, hat sich das Mott o am Fluss für eine gute Sache hergegeben. Die Stadtflucht Bergmühle ließ auf der Terrasse zum Donaukanal ihren sogenannten Charity Punsch passieren. Die Stadtflucht Bergmühle ist ein Verein, der 30 Minuten außerhalb von Wien im Wesentlichen ein kleines Eldorado für Bobos betreibt. Hier, im grenzenlosen Grün des Weinviertels, hat der geplagte Büromensch eine Landwirtschaft und einen Teich für sich, hier lässt es sich gut essen und trinken.

Jedenfalls veranstaltet besagte Bergmühle einmal im Jahr einen Charity-Abend in der City. Auf Vintage-Möbeln und alten Teppichen war die Mid Society geladen, um ein wenig Geld für die Initiativen Yabonga, Impilo und Hostenstatt posten dazulassen. Die ersten beiden sind Hilfseinrichtungen in Südafrika, Hostenstattposten eine Organisation, die geflüchteten Menschen ein freundliches Willkommen in Österreich bereiten möchte.

59.700 Euro sind es heuer mitsamt den Zuwendungen der Sponsoren geworden. Der Bergmühlenherr Martin Rohla ist froh. Den nächsten Punsch gibt's nächstes Jahr.

Und dann kam die Nacht. In ebendieser feierte einer der lässigeren Wiener Clubs seinen Geburtstag. Das Loft wurde sieben und beschloss dem Anlass entsprechend, gehörig die Puppen tanzen zu lassen.

Während draußen die Menschenschlange eher länger als kürzer wurde, rappelten drinnen die Live-Techno-Krieger Buenoventura und Gudrun von Laxenburg mit 150 Beats pro Minute über den Hauptfloor.

Es war heiß, richtiggehend feucht. Herzlichen Glückwunsch!


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