Schlachthaus- Dämmerung

Ende 2015 wurden schlimme Missstände in Schlachthöfen bekannt. Ein Jahr später besteht Anlass zur Hoffnung


Recherche: Gerlinde Pölsler
Landleben | aus FALTER 48/16 vom 30.11.2016


Foto: J. J. Kucec

Foto: J. J. Kucec

Ihr Leben lang haben die Labonca-Schweine in Wiesen gewühlt und im Schlamm gebadet. Da will Bauer Norbert Hackl auch zum Schluss nicht Angst und Stress verbreiten. Ein paar Tage bevor sie sterben müssen, übersiedeln die Tiere auf die Weide direkt neben dem Schlachthaus. Ist es so weit, lockt Hackl das Schwein mit einem Leckerbissen in eine kleine Bucht. Noch während es frisst, wird es betäubt.

Doch das, was Labonca und ein paar andere Pioniere mit ihrer Weideschlachtung machen, ist ein Minderheitenprogramm. Fast alle der gut fünf Millionen Schweine und 600.000 Rinder, die pro Jahr in Österreich geschlachtet werden, finden in einem Schlachthof ihr Ende. Einblick, wie dort mit Tieren umgesprungen wird, erhielt die Öffentlichkeit vor einem Jahr: Der Verein Gegen Tierfabriken (VGT) hatte Videos von 19 Schlachtbetrieben zugespielt bekommen. In ausnahmslos allen waren bedenkliche Szenen zu sehen. Etwa Schweine und Rinder, die routinemäßig mit dem Elektroschocker getrieben werden, der nur für Ausnahmefälle vorgesehen ist. Die Schocker wurden ihnen sogar ins Gesicht und an die Genitalien gedrückt, was strengstens verboten ist. Man sah verletzte Tiere, die auf dem Weg zur Schlachtbank geschlagen wurden, und mangelhaft betäubte Tiere, die mit aufgeschnittener Kehle Laufbewegungen machten. Außerdem war zu sehen, wie qualvoll die – legale – Betäubung in den CO2-Gondeln ist: Schweine schnappten nach Luft und schlugen ihre Köpfe gegen Metallstangen.

Die Videos offenbarten nicht bloß einzelne überforderte Mitarbeiter. Vielmehr zeigten sie die Normalität einer Branche, in der es von allem zu wenig gibt – zu wenig Platz und Zeit, zu wenige Mitarbeiter und Kontrollore. Hat sich seither etwas gebessert?

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