Austellung Tipp

Fotogenre zwischen Kommerz und Kunst

Lexikon | NS | aus FALTER 48/16 vom 30.11.2016

In der Albertina ist derzeit wieder Hochbetrieb, ziehen doch die Pointillisten die Massen an. Der angeschwollene Besucherstrom kommt aber auch der Schau "Film-Stills. Fotografien zwischen Werbung, Kunst & Kino" zugute, die noch viel berühmtere Bilder als die der französischen Punkti-Punkti-Maler bereithält. Bei der gemeinsam mit dem Filmmuseum produzierten Schau handelt es sich aber um kein "Best of Hollywood", sondern um eine wissenschaftliche Aufarbeitung der vernachlässigten Frage, was für eine vielfältige Rolle die Fotografen für die Filmgeschichte gespielt haben.

Handelt es sich doch bei den ikonenhaften Bildern, die wir bei Klassikern unmittelbar identifizieren, in der Regel um keine echten Standbilder, also den Blick des Regisseurs beziehungsweise des Kameramanns. Der Großteil dieser für Werbezwecke eingesetzten Bilder von Schlüsselszenen oder Stars wurde von Fotografen (re)inszeniert. Trotzdem tragen viele der Exponate nur den Filmtitel, blieben die Autoren doch anonym. Die jetzige Schau hantelt sich aber weniger an zu würdigenden Namen oder Filmen entlang, sondern an den Funktionen, die Filmstills hatten. Zum Beispiel "Starporträts": Der Fotograf Don English komponierte das von oben belichtete Bild von Marlene Dietrich, das sie 1932 für "Shanghai-Express" so göttlich erscheinen ließ.

In den Vitrinen der Kinos punkteten auch künstlerisch inspirierte Fotos, so etwa für Henrik Galeens Film "Der Student von Prag" 1926, wo der anonyme Fotograf Anleihen beim Romantiker Caspar David Friedrich nahm. Horst von Harbou arbeitete am Set von Fritz Langs Film "Metropolis" und schuf Bilder, die auf heute verlorene Sequenzen verweisen. Am 30. November um 17.30 Uhr führt Kurator Walter Moser durch die Ausstellung - Empfehlung!

Albertina, bis 26.2.


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