Von der Bringschuld der Mehrheitsgesellschaft

Deutschland hat ein Rassismusproblem und verlernt die Demokratie, sagt Lamya Kaddor. Nun erhält die liberale Muslima Todesdrohungen

Politik | Rezension: Gerlinde Pölsler | aus FALTER 48/16 vom 30.11.2016

Zweimal hat sich das Leben Lamya Kaddors dramatisch verändert. Einmal mit den Anschlägen vom 11. September 2001. Und dann mit ihrem neuen Buch. Seit dessen Erscheinen ist die Islamwissenschaftlerin Anfeindungen und Hassmails ausgesetzt, die bis zum Wunsch gehen, sie solle "vergast" werden. Inzwischen ließ sich Kaddor als islamische Religionslehrerin für ein Jahr beurlauben: Sie könne weder für die eigene Sicherheit mehr garantieren noch für die ihrer Schüler und Kollegen.

Es ist eine bittere Ironie, dass nun gerade eine nicht mehr Islamunterricht geben kann, die seit Jahren gegen Radikalisierung ankämpft. Lamya Kaddor (38) gilt in Deutschland als "sanfte Stimme des Islam". Sie verkörpert das Verbindende: Seit vielen Jahren macht sich die in Westfalen geborene Tochter syrischer Einwanderer für einen aufgeklärten Islam stark. Die Gründungsvorsitzende des Liberal-Islamischen Bundes benennt auch kritische Entwicklungen in Teilen muslimischer Communitys. Zuletzt schrieb sie ein Buch


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