Tiere

Vorschwanung

Peter Iwaniewicz singt den T.-Rex-Song "Ride a white swan"

Falters Zoo | aus FALTER 48/16 vom 30.11.2016


Nach mannhafter Erduldung eines widernatürlich langen Präsidentschaftswahlkampfs nebst völliger Verstopfung aller meiner Medienkanäle mit VdB/Hofer-Nachrichten bekenne ich: Ich bin Monarchist! Es lebe der Zaunkönig!

Was den Ausgang der kommenden Wahl am Sonntag betrifft, zitiere ich den deutschen Sprachmusiker Uwe Dick und meine: „Mir schwant etwas! Aber Journalisten entet’s.“ Wenn es einem schwant, dann ahnt man etwas und diese phonetische Ähnlichkeit mit den größten aller Entenvögel lässt eine Wortspielerei vermuten. So ist es auch, aber bloß die höheren Stände, die Latein lernen dürfen mussten, können darüber lachen. Der Spruch „olet mihi“ bedeutet auf Deutsch „ich rieche bzw. vermute etwas“. Da unser Höckerschwan mit seinem lateinischen Namen Cygnus olor heißt, wurde daraus eben jene Pseudoübersetzung für humanistisch gebildete Witzbolde: „mir schwant etwas“.

Der Schwanengesang als Bezeichnung für die letzte Rede eines Politikers hingegen geht auf einen altgriechischen Mythos zurück, wonach Schwäne vor ihrem Tode noch einmal mit trauriger Stimme ein letztes Lied anstimmen würden. Wer sich jemals schon mit einem Höckerschwan zu unterhalten versucht hat, weiß, wie wenig wohltönend deren Rufe sind: Mehr als ein leises „krr-krr-krr“ oder bei mangelnder Fütterung ein hartes, lautes „hueiarr“ ist da nicht zu hören. Dieser Volksglaube geht auf die bei uns seltenen, dafür aber im Mediterranraum häufigen Singschwäne zurück, die mit tiefem, nasalen Posaunenklang nach Partnern rufen. Gewinnt man hingegen die Wahl zum Singschwan-Präsidenten, dann stößt man als Schwanenbulle ein gellendes „gigigi“ aus und schlägt triumphierend mit den Flügeln. Soviel zur Vorbereitung auf den kommenden Sonntag.

Franz Molnár schrieb 1920 in seinem Lustspiel „Der Schwan“: Schwäne sollten niemals an Land kommen. Sie sollten immer majestätisch in der Mitte des Gewässers herumsegeln, denn wenn sie das Ufer betreten, sehen sie aus wie dumme Gänse. Mit feiner Klinge karikierte er so den beginnenden Niedergang des Hochadels. Und auch die Schwäne verschwanden als Speise vornehmer Kreise und wurden vom noch größeren amerikanischen Truthahn ersetzt. Heute sind Schwäne oft nur Behübschung für künstliche Teiche in Wohnwüsten und ertragen geduldig unseren Spott: „Ein Schwan geht, wie wenn er den ganzen Tag geritten wäre“ (Robert Lembke). Was für eine Schwanerei!


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