Film Neu im Kino

Liebe möglicherweise und episodenweise

Lexikon | Sabina Zeithammer | aus FALTER 48/16 vom 30.11.2016

Michael kündigt seinen Job und betrügt seine Ehefrau mit Leila, der Freundin eines Bekannten. Monika verlässt Michael und nähert sich Roland an. Roland kümmert sich um seinen Vater, der viel vom Sterben redet. Vicky, Michaels und Monikas Tochter, begleitet ihren Vater auf einer Italienreise. Martin liegt nach einem schweren Unfall auf der Intensivstation. Seine Mutter, die am Krankenbett ausharrt, findet Trost in den Gesprächen mit einem Fremden. Mehrere Geschichten, die in Wien angesiedelt und teils eng, teils lose miteinander verflochten sind, erzählt der österreichische Regisseur Michael Kreihsl in seinem Episodenfilm "Liebe möglicherweise". So vorsichtig, wie der Titel es andeutet, ist dabei auch die Annäherung an das große Thema, dass die Figuren umtreibt - sei es die Liebe zwischen Eheleuten, neuen Partnern, Vater und Sohn oder Mutter und Kind, die sich mit Gefühlen der Midlifecrisis, des Abschieds, der Hoffnung und einem kleinen Drama um Schuld und Vergebung mischt.

Kreihsls Methode der Auslassungen und Andeutungen erinnert an französisches Kino, auch wenn die kurzen Szenen manchmal recht brutal abgeschnitten werden. "Warum hast du Mama geheiratet?", fragt Vicky ihren Vater - die Antwort hören wir nicht mehr. Ohne den typisch österreichischen Sarkasmus ein wenig humorbefreit, dafür gut verträglich (auch herumgegrantelt wird in realistischen Maßen, allen voran von Meister Otto Schenk als Rolands Vater), ist Kreihsl Werk ein sehenswerter Film der kleinen Alltagsbeobachtungen.

Am Ende tanzt Leila, die freiheitsliebende Schauspielerin zwischen mehreren Männern, allein zu Mobys "Extreme Ways", der Hymne des einsamen Filmhelden Jason Bourne. Schön gemacht!

Ab Fr im Kino


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige