Die Toten hinter dem Narrentor

Vor 135 Jahren brach im Ringtheater Feuer aus, 386 Menschen starben. Die beschämenden Ursachen für die größte Brandkatastrophe der k. u. k. Monarchie werden bis heute verdrängt

Feuilleton | Recherche: Maya Mckechneay | aus FALTER 48/16 vom 30.11.2016


Bild: Theatermuseum

Bild: Theatermuseum

Am Abend des 8. Dezember 1881, gegen sieben Uhr abends, steht eine festlich gekleidete, junge Frau am Schottenring. Ihr Haar ist zerrauft und sie brüllt: „Hilfe! Laternen! Licht! Auf der Treppe ersticken die Leute!“ Ein paar Männer packen die Tobende und schimpfen sie „hysterisch“. Als die Frau nicht aufhört, um Hilfe zu rufen, „wird die Polizei heftig gegen sie“ – wie es später in einer Zeitung heißt – und droht ihr mit Arrest. Hätte man auf Adele Pawlik, Tochter eines Prokuristen, gehört, wären in dieser Nacht keine 386 Menschen gestorben.

Die Geschichte des Ringtheaterbrandes ist eine Geschichte der Versäumnisse und Verfehlungen, eine Geschichte, die den Autoritäten nicht zur Ehre gereicht. Es ist die Geschichte eines Skandals, der im Nachhinein als Schicksalsschlag dargestellt wurde. Offenbar mit Erfolg, denn auch heute weiß man viel zu wenig über die verhängnisvolle Kettenreaktion, die 1881 zur größten Brandkatastrophe der k. u. k. Monarchie führte.


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