Landrand Ruralismus

Vor Piatnik sind alle gleich

Lukas Matzinger liebt die Niederschwelligkeit des Kartenspiels

Landleben | aus FALTER 48/16 vom 30.11.2016

Auf dem Land ist das ja nicht so mit den "Blasen". Schon aus Ermangelung klarer Schutzhäfen für diese filigranen Teilöffentlichkeiten. Auf dem Land gibt es nämlich nur ein Wirtshaus und nur eine Schule, nur einen Sportplatz und nur ein Jugendzentrum, nur eine Kirche und nur einen Kirchtag.

Wo dann dementsprechend alle hingehen. Grünys und Blauys, Alkoholiker und Akademiker, Lehrer und Schulabbrecher, Landärzte und Leiharbeiter - kurz gesagt: Auf dem Land ist jeder jedem ausgesetzt. Was anstrengend sein kann, aber genauso oft schön. Zum Beispiel beim Kartenspielen.

Das gemeinsame Kartenspiel ist eine soziale Auseinandersetzung, die alle Gesellschaftsschichten einander einigermaßen friktionsfrei anzunähern vermag.

Sobald die erste Karte den Wirtshaustisch berührt hat, werden alle einerlei - der Gute und der Böse, der Meister und der Lehrbub. Durch die Karten sieht man einander offen, man traut dem anderen etwas zu. Das einzige Vorurteil sind die Trümpfe, die man fürchtet.

Weil niemandes Stiche jemals doppelt zählen: Vor Herrn Piatnik sind alle gleich.


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