Enthusiasmus Kolumne der Superlative

Der beste Aliens-Film der Welt der Woche

Feuilleton | Barbara Tóth | aus FALTER 48/16 vom 30.11.2016

Arrival" ist viel mehr und viel besser als ein klassischer Science-Fiction- oder Alien-Film. Er ist ein Film über Logik, Philosophie und Linguistik. Es geht in ihm um Glaube, Erlösung und Schicksal und damit um eine der schwierigsten Fragen des Lebens: Würde ich den gleichen Weg noch einmal gehen, wenn ich schon weiß, welchen Verlust ich am Ende ertragen muss, nur um die Momente des Glückes dazwischen noch einmal erleben zu dürfen?

Das macht "Arrival" zu einem der besten Science-Fiction-Filme der letzten Jahre, eine wahre Wohltat nach perfekten, aber seelenlosen Aufgüssen wie "Independence Day 2","Star Trek Beyond" oder "Star Wars: Episode VII". Regisseur Denis Villeneuve erzählt seine Geschichte aus der Perspektive einer jungen Linguistikprofessorin namens Louise, oscarreif dargestellt zwischen Genie und Irrsinn von der elfenhaften Amy Adams. Sie soll für die US-Regierung die Sprache der Außerirdischen dechiffrieren, die mit zwölf Flugobjekten auf der Welt gelandet sind.

Bald droht ein Weltkrieg, weil China seine Aliens angreifen will, aber das ist nur dramaturgisches Geplänkel im Hintergrund. Deswegen wird auch kaum geschossen, dafür aber ausgiebig die Ästethik der rätselhaften Fremden ausgelotet. Die Aliens, "Heptapoden" genannt, weil sie sieben krakenartige Füße haben, kommunizieren, indem sie wunderschöne Tintenkreise in ihre Atmosphäre versprühen, die dicker als Luft, aber weniger schwer als Wasser zu sein scheinen.

Ihre Raumschiffe erinnern an gigantische Auberginen, sie schweben rätselhaft über dem Erdboden, beruhigend und beklemmend zugleich. Wer sie, wie Louise, zu verstehen lernt, begreift, dass Zeit und Raum relativ sind. Was für ein Film! Augen-und Seelenschmaus zugleich.


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