Der Sprung durch das Sägeblatt

Kanadische und australische Artisten bringen herrlich leichte Unterhaltung zum Salzburger Winterfest

Lexikon | Maria Motter | aus FALTER 48/16 vom 30.11.2016

Arials sind das Zauberwort. Bei Arials, den akrobatischen Hebeund Tanzfiguren, wird das abgeklärteste Publikum schwach. Zu schön ist die Leichtigkeit, zu sehr nach Vergnügen schauen die Darbietungen aus: Das Winterfest in der Stadt Salzburg setzt auf zeitgenössischen Zirkus. Mussten einst zugerichtete Löwen durch brennende Reifen springen, um ein Publikum in Staunen zu versetzen, reicht heute ein erwachsener Mann, der durch ein aufgespanntes Sägeblatt hechtet. Und es ist sehr amüsant und auch aufregend, versprochen.

Der Cirque Alfonso beginnt das Programm mit "Timbre!". Die kanadische Gruppe hat dafür auch Äxte und alte Kutschenräder auf ihre Bühnentauglichkeit untersucht, jetzt kommen diese Werkzeuge der Forstwirtschaft im Zirkuszelt zur Anwendung. Genau wie auf der kleinen Farm, die von der Truppe laut eigenen Angaben im 3000-Einwohner-Ort Saint-Alphonse-Rodriguez in Quebec bewirtschaftet wird. Die Artisten des Cirque Alfonso sind allerdings alles andere als reine Naturtalente. Antoine Carabinier Lépine hat die École nationale de cirque de Montréal absolviert und arbeitete in Produktionen des Cirque du Soleil, Julie Carabinier-Lépine ist ausgebildete Tänzerin, während etwa Francis Roberge Teil der kanadischen Nationalmannschaft im Rafting gewesen ist. Ihre Heimat klingt durch, live gespielte Folkmusik begleitet die Kunststücke. Die südaustralische Gruppe Gravity & Other Myths wiederum könnte all jenen besonders gefallen, die AcroYoga lieben. Handstände aufeinander und Tänzerinnen, die wie ein Gummihupfband geschwungen werden: "A Simple Space" entsteht mit wenig Requisiten.

Mit dem Stück tourt Gravity & Other Myths seit mehreren Jahren weltweit. Auch nach einem Bällebad ist den Artistinnen und Artisten, wenn sie das Publikum auffordern, sie doch mit Gummibällen von ihren Stunts abzulenken. An etlichen Abenden schließen Konzerte an die Vorstellungen an, Minimal Soul (3.12., 21 Uhr) und die Mozarteum Schwung Gruppe (8.12., 20.15 Uhr) eröffnen. Noch mehr Jazz, Soul und Chanson-Pop folgen.

Premiere hat das Puppenspiel "Papelucho" des Salzburger Theaternetzwerks Ohne Titel. Die Hauptfigur Papelucho ist acht und in Chile seit Langem ein Superstar: Die 1985 verstorbene Autorin Esther Huneeus Salas de Claro hat unter dem Pseudonym Marcela Paz fiktive Tagebücher eines Achtjährigen geschrieben, die Kinderbuchklassiker wurden. Geeignet ist der Salzburger "Papelucho" für Kinder ab fünf Jahren, knapp über eine Stunde dauert das Puppenspiel unter der Zeltkuppel.

Salzburg, Volksgarten, 1.12. bis 8.1. winterfest.at


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