Landrand Ruralismus

Und zugeh'n tut's dort

Gerlinde Pölsler findet, an Vorurteilen bleiben Stadt und Land einander wenig schuldig

Landleben | aus FALTER 49/16 vom 07.12.2016

Warum wir am Land heraußen so anders wählen? Vielleicht weil wir ab und zu doch in die Stadt kommen und sehen, was dort los ist. Ich fahr ja fast nie, da muss ich schon müssen. Das letzte Mal, wie mein Bruder im LKH g'legen ist. Ich steig aus am Bahnhof, und schon steh'n da so Gruppen, die komisch schauen. War ja erst eine Riesenschlägerei dort. Ich schnell durch und in die Straßenbahn. Wennst da schaust, wo die Leute alle herkommen, dann bleibt von den Österreichern nimmer viel über. Und für die Alten steht keiner auf. Bei uns ist das anders, da schaut man noch aufeinand'. Da gibt's das nicht, dass einer wochenlang am Kuchltisch lehnt und ist schon tot. -

Ah, Aufsteirern ist. Frühmorgens schon wippen da die Gamsbarteln am Fenster vorbei und die wogenden Dirndlbusen. So schee! Sogar ihre Fratzen stecken s'in Lederhosen. So furchtbar. Sitzen da draußen, ein jeder in seinem Häusl, und dann reinpendeln mit zwei Autos, uns die Stadt zustinken. Und einen Schmarrn zusammenwählen, an dem wir uns alle verkutzen. Genieren kannst dich, und schuld sind die Wappler da draußen, wo die Aufklärung bis heut' noch nicht hing'funden hat.


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