Film Neu im Kino

Feminine Wissenschaften: "Marie Curie"

Eva Kleinschwärzer | Lexikon | aus FALTER 49/16 vom 07.12.2016

Marie Curie war nicht nur eine herausragende Frau in der Wissenschaft, sondern auch auf anderen Gebieten eine kritische Stimme, die Konventionen infrage stellte - eine Eigenschaft, die sich dieser Film in seiner Verfahrensweise nicht zum Vorbild genommen hat.

Das filmische Porträt von "Marie Curie" will diese, so die Ankündigung, nicht nur als Wissenschaftlerin zeigen, sondern vor allem auch als Frau, die mutig ihrem Gefühl folgt und sich dabei "zwischen Vernunft und Leidenschaft" bewegt. Intuitiv befürchtet man schon beim Lesen dieser Floskel kitschig-seichten Historismus und ahnt düster, dass man hier statt eines Films über eine bemerkenswerte Frau einen "Frauenfilm" zu sehen bekommt, ein Gefühl, das auf ganzer Linie Recht behalten soll. Was bedeutet es, eine Frau nicht nur als Wissenschaftlerin zu porträtieren, sondern auch als Mutter, Schwester, Ehefrau und Geliebte? In diesem Fall bedeutet es sehr viel sanfte Geigenmusik, weiße, wehende Leinen, Marie Curie sinnlich in der Badewanne oder ebenso sinnlich Mirabellen essend. Sie verzaubert Albert Einstein mit einem Lächeln und bei all dem Weichzeichner und dem wohlwollenden Licht, das zum Einsatz kommt, verschwimmen auch die beiden Nobelpreise fast ein wenig im Hintergrund.

Diese sind zwar sehr wohl auch Thema des Films, aber statt Marie Curie als ernstzunehmende Wissenschaftlerin zu zeigen, die ihre Erfolge als Frau und Migrantin vor allem harter Arbeit und Disziplin verdankt, schwenkt sie gelegentlich mit staunenden Augen ein Reagenzgläschen und spricht statt Formeln Formelhaftes. Der Film nimmt sich vor, Marie Curie als mutige Frau in einer patriarchalen Gesellschaft darzustellen, und trifft gleichzeitig die Entscheidung, ihr Leben anhand ihrer Beziehungen zu Männern zu erzählen - das ist vielleicht das Enttäuschendste daran.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Votiv)

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