"Ich bin der Woody Allen Wiens"

Feingeistiger Easy-Listening-Pop mit Italo-Faible: Waldeck stellt sein neues Album vor

Interview: Gerhard Stöger | Lexikon | aus FALTER 49/16 vom 07.12.2016


Foto: Katsey

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Um die Jahrtausendwende zählte Klaus Waldeck zu den prominentesten Vertretern der Wiener Downtempo-Elektronik. Mit dem frankophilen Duo Saint Privat wendete sich der studierte Jurist in der Folge leichtfüßigen Easy-Listening-Klängen zu, um dann solo die Tanzmusik der 1920er- und 30er-Jahre zu modernisieren – „Ballroom Stories“, 2007 veröffentlicht, wurde zu Waldecks größtem internationalem Erfolg. Mit dem Nachfolger hat sich der 50-Jährige lange Zeit gelassen. „Gran Paradiso“, heuer im Sommer erschienen, flirtet nun charmant mit dem Italien der 1960er-Jahre und eint Dub-Groove und die Sehnsucht nach la dolce vita.

Falter: Herr Waldeck, seit „Ballroom Stories“ sind neun Jahre vergangen. Liegt das an zu viel Perfektionismus oder an zu viel Müßiggang?

Klaus Waldeck: Weder noch, es liegt eher an einer Verzettelung. Ein weiteres Album im Stil von „Ballroom Stories“ war bereits so gut wie fertig, aber dann fand ich es doch zu ähnlich und sagte „Kommando retour!“. Nebenbei hatte ich an italienischen Stücken gearbeitet, die aber stilistisch nicht zum „Ballroom Stories“-Sound gepasst haben. Dann ist das Thema „Western“ aufgetaucht. Das habe ich auf Englisch probiert, aber da fehlte die ironische Distanz. Über den Italowestern kam Italien wieder ins Spiel.

„Ballroom Stories“ war ein großer Erfolg. Warum nicht mehr davon, Wiederholung hin oder her?

Waldeck: Der Erfolg war ein zweischneidiges Schwert. Er hat es finanziell zugelassen, so lange kein neues Album zu produzieren. Gleichzeitig steigt dadurch über die Jahre aber der innere Druck. Man wird zusehends unlockerer und kann sich nicht nur freuen, denn man will es ja mit jedem neuen Album besser machen. Aber je besser sich „Ballroom Stories“ verkauft hat, desto höher lag die Latte. Vielleicht war Italien auch eine Art Ausweichventil, um nicht in unmittelbare Konkurrenz zu treten.

Die nötige Lockerheit für die Produktion haben Sie bei einem ausgedehnten Italienurlaub gefunden?

Waldeck: Ehrlich gesagt: Ich war eh nicht locker. Ein griechisches Plattengeschäft hat zu meiner Überraschung gepostet, dass „Gran Paradiso“ das fröhlichste Album seit Ewigkeiten sei. Sonderlich fröhlich war mir bei der Arbeit nicht zumute, aber es ist schön, wenn auch aus einer Anstrengung eine Leichtigkeit entstehen kann.

Was ist Ihr persönlicher Italienbezug?

Waldeck: Ganz klassisch: Adriaurlaube mit den Eltern als Kind. Das waren noch keine Flugreisen, sondern man fuhr mit dem Auto und kam eben bis Rimini oder so. Ich erinnere mich an einen Urlaub, in dem ich unbedingt ein Schlauchboot und eine Angel haben wollte. Dann ist die ganze Familie mit dem Schlauchboot hinausgerudert, wir haben die Angel ausgepackt – und uns sind die spitzen Haken ins Boot gefallen. Wie die Geschichte weiterging, würde ich gerne offenlassen.

Ertrunken sind Sie offenbar nicht.

Waldeck: Genau, wir haben überlebt.

Italo Disco oder Adriano Celentano, wofür entscheiden Sie sich?

Waldeck: Da würde ich doch Adriano Celentano vorziehen. Ich habe mich nie intensiv mit ihm befasst, aber was ich von ihm kenne, spricht mich sehr an. Auch politisch: Das ist interessant und gefällt mir. Ein italienischer Radiosender hat mich nach meinen Lieblingsgruppen gefragt. „Massive Attack und Adriano Celentano“ war die Antwort, was brüllendes Gelächter zur Folge hatte.

Apropos Lachen: Welche Rolle spielt Humor in Ihrer Arbeit?

Waldeck: Ich sehe Humor als ein Mittel, das Leben erträglich zu machen. In der Musik selbst ist es eher Ironie oder das Spiel mit Klischees. Ein trauriges Lied kann nur schwer Humor transportieren, allerdings verbindet sich bei Woody Allen ja beispielsweise auch Komik und Melancholie.

Sie sind also der Woody Allen der Wiener Musikszene?

Waldeck: Jetzt hätten wir das auch endlich geklärt! (Lacht.) Ich könnte jedenfalls damit leben.

Musik aus „Ballroom Stories“ fand in einem Werbespot für den C-Klasse-Mercedes Verwendung. Welches Auto passt zu „Gran Paradiso“?

Waldeck: Ein Sportwagen geht nicht, ein SUV noch viel weniger. Nachdem ich ihn auch in einem Video verwendet habe, würde ich sagen: Das Album passt am besten zu einem Alfa Berlina, Baujahr 1974. Er ist kein Sportcoupé, hat aber doch das Design von Bertone – und ist familientauglich.

Was wird die Liveumsetzung des Albums bringen?

Waldeck: Man darf sich ein neunköpfiges Salonorchester erwarten, trotzdem aber noch das eine oder andere elektronische Einsprengsel. Wir werden auch alte Fans nicht enttäuschen und die Hits von „Ballroom Stories“ spielen. Und sogar „The Night Garden“ ist im Programm, das Titelstück des Albums von 2001.

Konzerthaus, Mozart-Saal, Fr 20.00; Posthof Linz, 8.12., 20.00; p.p.c. Graz, 10.12., 20.00


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