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Pressekolumne


Nina Horaczek
Medien | aus FALTER 49/16 vom 07.12.2016

Der Tag nach einer wichtigen Wahl ist der undankbarste für Journalisten. Da kann man sich noch so bemühen, die tollsten Artikel gehen unter, weil alle sich nur für die Wahl interessieren. Zum Beispiel der Artikel in den Salzburger Nachrichten über Gertrude Portisch und ihr Buch über Teufel. Darin erzählt die Autorin, die seit fast 70 Jahren mit dem Journalisten Hugo Portisch verheiratet ist, wie sie vor den Nazis nach England flüchtete und in einem englischen Nonnenkloster dem Teufel "wirklich sehr nahe" kam. Sie beschreibt, wie verloren die Kriegskinder waren und wie Menschen zu Bestien werden.

Der Kurier hatte am Montag nach der Wahl genau das gegenteilige Problem. Im Kulturteil der Tageszeitung gab es ein Interview mit dem Austrobarden Rainhard Fendrich zu lesen. Darin spricht Fendrich über sein Lied "I Am from Austria", die Beweggründe, es zu schreiben, und sein Problem mit Patriotismus. Auch sehr spannend. Aber am Tag nach der Wahl zu lesen: "Falls es Hofer wird, muss ich es akzeptieren - das ist Demokratie", klingt sehr nach den Nachrichten von gestern.


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