Menschen

Menschenrechtsstadt 2016-2022

Lukas Matzinger, Josef Redl | Falters Zoo | aus FALTER 49/16 vom 07.12.2016

Es ist schon bemerkenswert, dass in Wien ein Internationales Filmfestival der Menschenrechte veranstaltet wird. Und noch bemerkenswerter ist, dass es This Human World bereits in der neunten Auflage gibt. Zum ersten Mal wurde das Festivalprogramm kuratiert von der Kino5-Gründerin Julia Sternthal und Djamila Grandits, die im vergangenen Jahr ein Filmfestival in Portugal plante.

Sie hatten einiges zu tun, schließlich wurden rund 1000 Filme eingereicht. Zur Eröffnung zeigten sie am Donnerstag im Gartenbaukino "Houses without Doors" von Avo Kaprealian, der große Teile des Filmes in seiner umkämpften Heimatstadt Aleppo gedreht hat. Noch bevor der Film begann, sprach die Poetry-Slammerin Yasmin "Yasmo" Hafehd zum Thema Heimat und danach Ulrike Lunacek, die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments.

Der Regisseur Kaprealian war nach der Ansprache von Sacharow-Preisträgerin Lamiya Aji Bashar ebenso ergriffen wie das Publikum. Die jesidische Kurdin wurde als Mädchen vom IS verschleppt, misshandelt und missbraucht. Ihr ist die Flucht gelungen, seitdem hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, als Botschafterin für die jesidischen Mädchen in der Gewalt des IS aufzutreten.

Das Filmfestival This Human World läuft bis Sonntag, 11. Dezember, im Schikaneder, im Top Kino, im Filmcasino, im Kunstsozialraum Brunnenpassage am Yppenplatz und im stand129, dem Kulturraum der Caritas Wien am Viktor-Adler-Markt.

Am vergangenen Mittwoch las der deutsche Autor, Late-Night-Show-Host und Arsch Benjamin von Stuckrad-Barre aus seinem irrwitzigen autobiografischen Roman "Panikherz". Der frühere Rockstar unter den Popliteraten ist vielen Leuten so unsympathisch, dass sie sofort vor Schauder den Fernseher ausschalten, wenn ihnen auf nur einem einzigen Sender dieses kantige Exzentrikergesicht entgegenblickt.

Aber vielen anderen auch wieder nicht. Die Lesung im Wuk war ausverkauft und Karten am Ende sehr begehrt. Dann saß er da, der Stuckrad Barre und las seine wilden Heldensagen und Absturzgeschichten. Er rauchte und schwitzte, er ist ein Mann, der weiß, was Leidenschaft ist, was Triumph und was Rausch. Ein bisschen was von diesem Leben dampfte am Mittwoch durchs Wuk.

Im Dezember 2011 hat sich ein anonymer Millionär entschieden, am Spittelauer Donaukanal einen Technoclub internationaler Klasse hinzusetzen - mit einer megalomanischen Tonanlage, einer hochkarätigen Bar, mit Fotoverbot und happig Eintritt. Das ganze große Programm. Das laute Haus wurde Grelle Forelle genannt und war in Schriftsprache so zu bezeichnen: <><.

Jetzt, fünf Jahre später, kann man langsam davon sprechen, dass das wertkonservative Wiener Partyvolk die Grelle Forelle allmählich zu akzeptieren gelernt hat. Die Forelle lebt, es geht ihr gut. Was ein Grund zu feiern ist. Beim Fünfjährigen wurde das ganze Wochenende durchgeorgelt - zum Geburtstag ließ man sich vom Briten Matt hew Herbert (Freitag) und dem Deutschen Ben Klock (Samstag) eine auflegen.


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