Stadtrand Urbanismus

Gehn S', Herr Nachbar!

Birgit Wittstock lacht über einen bizarren Wiener Nachbarschaftskelch

Stadtleben | aus FALTER 49/16 vom 07.12.2016

Es ist eigentlich so logisch wie ein Naturgesetz, dass es dort, wo viele fremde Menschen zusammenkommen, Knatsch gibt. Umso erstaunlicher, dass sich die meisten vor Gericht ausgetragenen Nachbarschaftsstreitigkeiten entlang von Gartenzäunen abspielen und nicht da, wo Leute dicht an dicht leben, im Wohnbau. Vielleicht liegt es daran, dass der Mensch rabiater wird, sobald er exponiertes Territorium zu verteidigen hat. Populärpsychologische Vermutung.

Was sie unterstützt, ist jener Krieg, der sich auf Wiener Innenstadtterrassen abgespielt hat und nun durch den Obersten Gerichtshof beendet wurde, indem er dem Beklagten künftig das Zigarrerauchen in der eigenen Wohnung verbot. Zwischen 22 und 6 Uhr und tagsüber während der Essenszeiten. Der Grund, warum der Mann kein generelles Rauchverbot ausgefasst hat, ist das sogenannte "nachbarrechtliche Gebot der Rücksichtnahme", das beidseitig gilt.

Kann man dem Urteil folgend wohl der Mitternachtsköchin von nebenan eine allnächtliche Pflichtportion abklagen? Der Duft macht hungrig und Teilen wäre das Mindestmaß an Rücksichtnahme.


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