Selbstversuch

Wer sich mit uns anlegt, verliert

Doris Knecht ist stolz auf die Frauen


Doris Knecht
Kolumnen | aus FALTER 49/16 vom 07.12.2016

Am Tag nach der Wahl, deren Ausgang, ich merke das mit der allergrößten Zurückhaltung an, ich wie immer richtig vorausgesagt habe, trage ich Rainhard Fendrichs Austria-Schmusesong auf den Lippen und Lily Allens Mittelfinger-Hymne im Herzen. Denn ich glaube erstens - ganz kurze Wahlanalyse -, dass der Hofer den Leuten aus der Mitte, die ihn erst protestwählten, am Ende zu extrem und zu unberechenbar war: Öxit janein, Todesstrafe janein, zündeln auf dem Balkan: lieber nicht. Zweitens glaube ich, dass den Frauen seine Einstellung zu Frauen nicht gepasst hat, und zwar überhaupt nicht.

Ich bin heute sehr stolz, eine Frau zu sein; eine Frau from Austria. Ich bin sehr stolz auf die anderen österreichischen Frauen, die mit einer satten Mehrheit gesagt haben, dass man mit ihnen und ihren Rechten nicht herumspielt.

Dass man nicht ungestraft überheblich, chauvinistisch und respektlos zu uns ist. Und dass es hier, anders als in Amerika, eine fette Mehrheit der Frauen bestraft, wenn man mit ihren hart erkämpften Rechten herumspielt, wenn man sie reduzieren will auf Mütterlichkeit und sie fernhalten will von Verantwortung, Mitsprache, Macht. Vor allem die jungen Frauen lassen sich so etwas nicht mehr gefallen, bzw.: Wer so mit ihnen spricht, lebt auf einem anderen Planeten und hat nicht ihre Stimme. Die Frauen haben ganz deutlich gezeigt, dass man sich lieber nicht mit ihnen anlegen, über sie bestimmen, sie belächeln, ihre Rechte infrage stellen sollte. Und ehrlich gesagt tu ich mir schwer, jetzt versöhnlich zu sein mit Männern, die das schon wieder versucht haben und es wieder versuchen werden, und deren Anhänger kritische Journalistinnen mit Vergewaltigungsdrohungen einschüchtern.

Ich glaube, dass Entgegenkommen, Entgegengehen und Sich-Annähern hier das falsche Signal ist. Hier geht es um die unmissverständliche und unbeugsame Verteidigung von Werten und Rechten, die man sich nicht noch einmal erkämpfen möchte, denn das hat man schon. Darauf heute noch einmal hinzuweisen ist nicht schadenfreudig oder revanchistisch, das ist Haltung. Und ein Wink, dass man künftig lieber mehr auf die Frauen hören sollte.

Diese Frau hier z.B. wurde wie vor jeder Wahl auch diesmal für ihre optimistische Prognose von realistischen Auskenner-Männern belächelt, ihr wurde mitleidig aufs Haupt getätschelt, sie wurde mit belehrenden Links eingedeckt und hatte trotzdem wie immer recht. Das ist ungefähr die zehnte Wahl in Folge, deren Ausgang ich richtig vorausgesagt habe, plus die Mariahilfer-Straßen-Befragung, plus die Entsendung Conchita Wursts zum Song Contest; und dennoch durfte ich unlängst lesen, ich sei weltfremd und verblasen oder etwas in dieser Art. Ich erwähne das nur, um zu einem pathetischen Schlusssatz ausholen zu können: Ich lebe sehr gern in einem Land, in dem die Mehrheit das auch ist.

I am from fuck you very much, was für ein Glück.


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