Kommentar Zeitgeschichte

Achtung, Herr Präsident: Hitlers Geburtshaus gehört nicht weg


Barbara Tóth
Falter & Meinung | aus FALTER 49/16 vom 07.12.2016

Alexander Van der Bellen hat sich in der Hitze des Wahlkampfgefechts zu einer Aussage hinreißen lassen, die er so bald wie möglich revidieren sollte. "Abreißen", sagte er auf die Frage Ingrid Thurnhers im letzten ORF-Duell vergangenen Donnerstag, was man mit Hitlers Geburtshaus in Braunau tun solle. Genauso, wie es sein Gegenkandidat Norbert Hofer auch machen würde.

Alleine das hätte ihm zu denken geben sollen. Ein Blauer und ein Grüner, die in Sachen Geschichtspolitik einer Meinung sind? Da kann doch etwas nicht stimmen.

Heinz Fischer hat als Bundespräsident sehr daran gearbeitet, dass der 8. Mai als Tag der Freude und Befreiung gefeiert wird und nicht als Tag der Niederlage und des Heldengedenkens. Er hat sich hinter das Haus der Geschichte gestellt, Zeitgeschichte und der Umgang mit ihr war ihm offensichtlich sehr wichtig. Wenn Van der Bellen hier Kontinuität verkörpern will, sollte er lieber den Empfehlungen der Expertenkommission in Sachen Hitlers Geburtshaus folgen.

Sie raten ausdrücklich von einem Abriss ab, sondern nur zu einer "tiefgreifenden architektonischen Umgestaltung" des Gebäudes, das Anfang 2017 nach jahrelangen Streitereien mit der Eigentümerin endlich in den Besitz der Republik kommt. Das entsprechende Gesetz wurde im Innenausschuss des Parlaments letzte Woche verabschiedet - gegen die Stimmen der FPÖ.

Ein Abriss käme einem historischen Schlussstrich gleich, nach dem Motto: Wir wollen mit dem ganzen Hitler-Zeugs nichts mehr zu tun haben. Das passt zu Norbert Hofer. Stehen lassen, umbauen, adaptieren und für eine soziale Institution nützen, das sollte Präsident Alexander Van der Bellens Plan sein.


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