Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Alpträume


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Falter & Meinung | aus FALTER 49/16 vom 07.12.2016

Nicht erst seit gestern spuken Deutschnationale in Österreichs Politik herum. 1000 Jahre Ostarrichi standen 1996 an, und ein Festkommers in der Hofburg sollte dieses Jubiläum krönen. Aus diesem Anlass berichteten Martin Staudinger und Gerald John über den Kommers und die Gegendemonstration.

Auch das Wissenschaftliche fiel bei den Rechten nicht unter den Tisch, sodass man erfuhr, dass die Österreicher eben doch die besseren Deutschen sind, weil sie zum Beispiel Erdäpfel sagen statt Kartoffeln (Fremdwort!) und diesseits des Inns "speiben" gegenüber "speien" bevorzugt wird - "der Wiener sagt es instinktiv richtig" und sei damit deutscher als die Deutschen.

Bei der Gegendemonstration war zu erwägen, ob der CV, der katholische Kartellverband, mitmarschieren dürfe und, wenn ja, an welcher Stelle im Demonstrationszug und mit oder ohne Armbinde - gravierende Fragen, die schließlich in der Nichtteilnahme des CV endeten. Beide Parteien sprachen nach der Veranstaltung dem Bier zu, wobei Bier beim Kommers natürlich ständig und teils auf Befehl (omnes bibite!) getrunken wird.

Das warf beunruhigende Fragen auf. Die Ehrengäste auf dem Podium, die an gewissen Stellen beifällig mit dem Säbel zu klopfen haben, dürfen ihren Platz den ganzen Abend lang nicht verlassen, sodass ihre Blase voll und voller wird. Was tun mit dem Harndrang? Gerüchteweise stehen Kübel unter dem Tisch, berichtete der Falter. "Ich kann das nicht dementieren", sagt der Pressebetreuer des Kommerses.

Und sonst: In einer berührenden Erzählung berichtete der Chefredakteur von einem frühen Treffen mit Hans Dichand, dem Herausgeber der Kronen Zeitung: "Von unserer persönlichen Begegnung, das sollte gerade im Advent einmal gesagt sein, blieb mir von Dichand der allertröstlichste Eindruck." Allerdings stellte er die vernichtende Rezension einer Dichand-Autobiografie unter seine rührselige Adventgeschichte, in der zu lesen stand: "Für manche, wie den ultralinken Armin Thurnher, sind wir ein gedruckter Alptraum."


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