Film Neu im Kino

Feel-good-Mainstreamkino: "Alle Farben des Lebens"


Sabina Zeithammer
Lexikon | aus FALTER 49/16 vom 07.12.2016

Ray ist 16 Jahre alt, liebt Skateboardfahren und hängt gern mit Freunden ab. Mit seiner Mutter, seiner Großmutter und deren Lebensgefährtin lebt er in einem verwinkelten, mehrgeschoßigen Haus in New York. Die Wände seines Zimmers zieren Sprüche - und ein Wochencountdown. Denn Ray wurde im Körper von Ramona geboren und wartet sehnlichst auf seine baldige Geschlechtsangleichung. Da stellt sich heraus, dass dafür die Unterschrift seines Vaters notwendig ist, zu dem die Frauenfamilie seit Rays frühester Kindheit keinen Kontakt mehr hatte.

Mehr noch als Ray (Elle Fanning mit Kurzhaarperücke), deren Gefühlswelt in Form von selbst gedrehten Handyvideos transportiert wird, steht in Gaby Dellals Familienfilm "Alle Farben des Lebens" (im Original: "About Ray") ihre Mutter Maggie (Naomi Watts) im Mittelpunkt. Sie muss sich nicht nur mit ihren Sorgen bezüglich des Wohls ihres Kindes auseinandersetzen, sondern auch ihrer Vergangenheit ins Auge blicken und sich von ihrer dominanten Mutter Dolly (Susan Sarandon) abnabeln. Mit dem Auftauchen von Rays Vater und dessen neuer Familie erweitern sich die familiären Kreise zu einer immer größeren Collage, in der jede Figur Raum erhält.

Ganz aufgehen will dieses Konzept trotz der tollen Besetzung nicht, kommen die sympathisch-chaotischen Beziehungen doch über eine oberflächliche Zeichnung kaum hinaus. Auch die Ansiedlung zwischen Drama und Komödie -mal weint Maggie am Wohnzimmertisch aus lauter Angst um Rays Zukunft in Dollys Armen, mal kommt sie in Slapstickmanier auf allen Vieren die Holzwendeltreppe hinaufgekrochen und bleibt oben platt wie ein Fisch auf dem Boden liegen -wirkt eher divergent als bereichernd. Solides Feel-good-Mainstreamkino zu einem noch selten behandelten Thema geht sich aber dennoch aus.

Ab Fr in den Kinos (OF im Artis)

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