Tiere

Jahr natürlich

Peter Iwaniewicz vermisst die Kategorie "Büropflanze des Jahres"

Falters Zoo | aus FALTER 49/16 vom 07.12.2016


Zeichnung: Bernd Püribauer » zur Tier-Galerie

Als Mitglied der Neigungsgruppe Jahresende freue ich mich pflichtbeflissen auf Selbiges und möchte durch ein motivierendes „Hoppauf“ den Ablauf des Restmonats zügig vorantreiben. Es war ein schweres Jahr für Tierkolumnisten, in dem nur die moralisch Gefestigsten unter uns dem Drang widerstehen konnten, zu aktuellen Themen plumpe Wortspielchen zu reißen und animalischen Assoziationen nachzugeben: Kein Wort war hier über Wale und ihre Kämpfe zu lesen, nie wurde das Trumpeltier besprochen, von den bellenden Hunden oder auch Glockentierchen (Niederländer verstehen das) war kein Ton zu hören, und selbst die zoologische Ordnung der Unpaarhofer blieb unerwähnt. Fraglos wird derlei noble Zurückhaltung bei der gerade anstehenden Auszeichnung „Journalist des Jahres“ in der Kategorie „Beredtes Schweigen“ entsprechend honoriert werden.

Jetzt aber zurück zu Routinen, die doch das Leben so angenehm und voraussehbar machen. Verlässlich zu Anfang Dezember legt der Naturschutzbund Deutschland eine Liste mit den sogenannten Jahresnaturen vor. Ursprünglich wollte im Jahr 1971 eine kleine Gruppe besorgter Naturschützer auf den damals schon wahrnehmbaren Artenschwund mit der Wahl des Graureihers zum „Vogel des Jahres“ aufmerksam machen. Doch schon bald wurde diese Nominierung zu einem Minenfeld des biologischen Vereinswesens.

Der Schmetterling d.J. (Weißklee-Gelbling) wurde von der NRW Naturschutzstiftung nominiert, die Libelle d.J. (Gemeine Keiljungfer) hingegen von der Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen ausgezeichnet. Bei beiden Kategorien handelt es sich zwar um Insekten, die Ernennung zum Insekt d.J. (Gottesanbeterin) steht aber nur dem Bundesfachausschuss Entomologie zu. Man darf vermuten, dass sich die notwendigen Gesprächsrunden und Komiteesitzungen im Vergleich zu einer Präsidentschaftswahl wie ein Lercherlschas (Exkrement d.J.) ausnehmen.

Ich halte die Wahl der Gottesanbeterin nicht nur deswegen für passend, weil sie mit ihrer blitzschnellen Schlagtechnik Vorbild für Kung-Fu-Kämpfer war, sondern weil sie auch bei uns in Österreich immer häufiger vorkommt. Das hört sich besser an, als es tatsächlich ist. Denn dieses Insekt ist ein typisches Beispiel für die Auswirkung des globalen Klimawandels auf die mitteleuropäische Tierwelt, in der sich solche Arten wegen steigender Temperaturen immer weiter ausbreiten. Jahreswechsel pronto!


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige