Enthusiasmus Kolumne der Superlative

Der beste Modeladen der Welt der Woche


Barbara Tóth
Feuilleton | aus FALTER 49/16 vom 07.12.2016

Ein Weihnachtsbummel über den Wiener Graben mag schön sein, und gleichzeitig muss man sagen: wie langweilig! Die immer gleiche Abfolge an Luxusbekleidungsmarken mit identen Auslagen reiht sich aneinander. Hermès, Prada, Gucci, Louis Vuitton, Chanel, Max Mara denkt man sich die Fassaden weg, könnte man in der Fußgängerzone jeder anderen europäischen Großstadt sein.

Wie viel spannender ist es da doch, in Wiens Vintagemodeläden nach feinen Geschenken für sich oder andere zu stöbern. Früher hießen solche Geschäfte nicht ganz so elegant "Secondhandladen", heute nennen sie sich stolz "Das neue Schwarz" oder "Bocca Lupo"(beide in der Landskrongasse),"Glamour" am Fleischmarkt oder tragen selbstbewusst den Namen ihrer Geschäftsführerinnen, wie etwa das neue Geschäft von Silvia Milano in der Wiener Schultergasse.

Es macht einen großen Unterschied, ob man in Mailand, Paris, Berlin, Kopenhagen oder in Wien in einen Vintagemodeladen geht. Diese Shops sind das Modegedächtnis einer Stadt. Wer den Stil eines Ortes wirklich kennenlernen will, sollte daher nicht die eintönigen Boutiquen und Ketten in den Einkaufsstraßen besuchen, sondern jene oft ein wenig versteckten Geschäfte aufstöbern, in denen sich der individuelle Geschmack der vor Ort lebenden Modeinteressierten von Tag zu Tag aufs Neue manifestiert.

In Wien beispielsweise geht es bisweilen ein wenig bling-bling zu, weil Russinnen lange Zeit nun einmal die kaufkräftigsten Modeverwerterinnen waren. Hier finden sich aber auch immer wieder schöne Vintage-Stücke des Wiener All-Time-Klassikers Helmut Lang. Mit ein bisschen Glück hängt das Shirt, das man im Vorweihnachtstrubel ergattert hat, dann auch im Museum für angewandte Kunst.


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