Wieder gelesen

Bücher, entstaubt


Nina Brnada
Politik | aus FALTER 49/16 vom 07.12.2016

Politik und Emotionen

In der Politik gibt es ein Primat der Vernunft, das ist zumindest die Idealvorstellung. Politik, das ist ein nüchterner Marktplatz der Ideen, auf dem Argumente ausgetauscht und gegeneinander abgewogen werden. Wie wenig diese vorgeblich hehre Annahme mit der Realität der Perzeption von Politik zu tun hat, das zeigt das Buch "Das politische Gehirn" von Drew Westen.

Der US-amerikanische Psychologe Westen erklärt darin, auf welche Weise Emotionen politische Einstellungen beeinflussen und wie schwer es ist, mit Informationen auf diese einzuwirken. Ist bei einem Menschen erst einmal eine politische Einstellung vorhanden, lässt sie sich ziemlich schwer ändern. Und am allerwenigsten mit Informationen.

Belege für die Wirkungslosigkeit von Informationen liefern Experimente, die Westen in seinem Buch beschreibt. Probanden werden darin beispielsweise mit widersprüchlichen Aussagen von politischen Kandidaten konfrontiert, die sie selbst unterstützen. Doch das bringt sie nicht davon ab, weiterhin hinter ihren Favoriten zu stehen. Bekommen sie allerdings widersprüchlichen Aussagen des politischen Gegners zu hören, verstärkt das ihre Abneigung.

Westen räumt auch mit dem Mythos auf, dass der formale Bildungsgrad der Probanden bei derlei Mechanismen tatsächlich einen Unterschied machen würde.

Westen, der die Partei der Demokraten in den USA vor allem während Barack Obamas Wahlkampf unterstützt hatte, kritisiert grundsätzlich den Widerstand der Demokraten gegen den Einsatz von Emotionen im Wahlkampf. Emotionen, so Westen, seien keine "illegitime Form der Manipulation". Man könne mit Statistiken und nüchtern vorgetragenen Argumenten ebenso lügen wie mit Emotionen. Oder eben nicht.

Drew Westen: Das politische Gehirn. Suhrkamp Verlag, Edition Unseld, 182 S., € 15,50


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige