Die Glosse vom Falter

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Falter & Meinung | aus FALTER 49/16 vom 07.12.2016

Zu den westlichen Klischees über China gehört die Mär vom Kopierwahn. Obwohl Unternehmen aus Fernost längst eigene Handys und Autos entwickeln, heißt es in Europa immer wieder: alles nur geklaut. Jetzt macht die Geschichte von einer Reederei die Runde, die den 1912 gesunkenen Luxusdampfer Titanic nachbaut. In jahrelanger Forschungsarbeit rekonstruierten die Ingenieure auch die kleinsten Details, vom verzierten Klopapierrollenhalter bis zum Kronleuchter.

Die Titanic steht in der westlichen Überlieferung für eine historische Niederlage. Der für die Gründerzeit typische Glaube an die totale Machbarkeit erlitt Schiffb ruch, mit dem Luxusliner kippte das Zeitalter der Industrialisierung in einen Albtraum.

Mit dem Schiff rekonstruieren die chinesischen Imitatoren mithin nicht nur eine Idee, sondern auch deren Scheitern. Titanic 2 ist ein als touristische Attraktion für einen Themenpark getarntes Mahnmal gegen Größenwahn. Jeder Besucher spürt das nahende Ende. Ganz schön originell für eine Kopie.


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