Sport Glosse

Warum können wir das Spiel nicht mehr, das früher einmal war?

Stadtleben | aus FALTER 50/16 vom 14.12.2016

Österreich hat Europa verlassen. Rapid, Austria und Salzburg haben nicht ein mal die Gruppenphase in der Europa-League überlebt. Zweitklassig in der Zweitklassigkeit.

Wäre da nicht VdB in der Hofburg, könnten wir Europa vergessen. Wann hat ein Politiker zuletzt größeres Halleluja provoziert als eine Fußballmannschaft? Das Nationalgefühl wallte in der Wahlnacht in den Sofiensälen auf. In einem Spalier an beamteten Securitys trat der präsumtive HBP VdB vor sein Volk und aus tausenden Kehlen jauchzte es: "Österreich!"

Und dann ertönte die Austronationalkitschklamotte. "I bin dei Opfi, du mei Staum." Peinlich, peinlich. Der erfreute, erleichterte Staatsbürger schreckte aus seiner falschen Sicherheit hoch, der unsäglichste aller Ö-Kitschblockbuster wäre auf das ÖFB-Patriotismustheater beschränkt. Nein, das bitte nicht! Selbst wenn das Österreichische einem lieb ist und die Kicker es im Stich lassen. Die machen es ja nicht z' Fleiß, sie können es nicht besser. "A Überdosis G'fühl", wie weitgehend espritfreie Steirer einst meinten, rettet das Österreichdings auch nicht mehr. Warum können wir nicht mehr spielen? Warum sind wir, wenn wir uns freuen, so überdosisernsthaft?


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige