Film Neu im Kino

Blick auf ein Künstlerinnenleben: "Paula"


SABINA ZEITHAMMER
Lexikon | aus FALTER 50/16 vom 14.12.2016

Bevor Paula Becker einen Strich auf die Leinwand setzt, betrachtet sie ihr Motiv mit unverwandtem Blick. "So siehst du das?", wird sie voll Erstaunen - und häufig voll Unverständnis -angesichts ihrer Werke gefragt. Der 1876 geborenen deutschen Vertreterin des frühen Expressionismus wurde zu Lebzeiten kaum Anerkennung zuteil. Doch Paula Becker arbeitete mit unbeugsamer Schaffenskraft -in ihrem 31-jährigen Leben entstanden 750 Gemälde und 1000 Zeichnungen.

Christian Schwochow hat der modernen Malerin mit "Paula -Mein Leben soll ein Fest sein" ein Biopic gewidmet. Noch mehr als die Kunst stehen darin ihre persönlichen Beziehungen im Mittelpunkt, beginnend mit ihrem Aufenthalt in der Künstlerkolonie Worpswede, in der sie als 24-Jährige Malunterricht nimmt und Clara Westhoff, Rainer Maria Rilke und ihren zukünftigen Ehemann Otto Modersohn kennenlernt. Fünf Jahre später hat sie das Gefühl, in ihrer Ehe zu ersticken. Sie verlässt Otto und geht nach Paris, um sich ganz ihrer Kunst zu widmen. In einer Zeit, in der Frauen von ihren Ehemännern in Irrenanstalten eingeliefert werden konnten, wenn sie nicht spurten, bahnte Paula Modersohn-Becker sich ihren Weg der Selbstverwirklichung.

Das Vergnügen, das Schwochows Film bereitet, gründet in einer frischen wie entspannten Herangehensweise: Die Figuren werden nicht erklärt, sondern zum Leben erweckt, dürfen nahe kommen oder fremd bleiben - wunderbar eigenwillig und gewitzt verkörpert von Carla Juri und Albrecht Abraham Schuch in den Hauptrollen. In der Landschaft des Teufelsmoors, in den Wohnungen und Ateliers, den Pariser Straßen und Bars entsteht so das sinnliche Porträt einer Künstlerin, das in seinen besten Momenten an Dominik Grafs "Die geliebten Schwestern" heranreicht.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Filmcasino)


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