Wenn Statistiker vor Gericht landen

In Griechenland wird meinem Kollegen der Strafprozess gemacht. Ein Weckruf in der postfaktischen Ära

Gastkommentar: Konrad Pesendorfer | Falter & Meinung | aus FALTER 50/16 vom 14.12.2016

Statistiker sind in der Regel eher risikoaverse Menschen. Wissenschaftliche Debatten über die Qualität ihrer Arbeit genießen eindeutig größere Beliebtheit als die Verteidigung von Statistiken gegen die Vereinnahmung oder Falschinterpretation durch politische Interessengruppierungen.

Letzteres gilt auch für Andreas Georgiou. Als der in den USA ausgebildete Ökonom, der 21 Jahre lang für den Internationalen Währungsfonds gearbeitet hatte, 2010 zum Präsidenten des griechischen Statistikamts von Elstat berufen wurde, musste er wissen, worauf er sich da einließ. Doch dass er sich nur wenige Jahre später als Angeklagter vor nationalen Gerichten wiederfinden würde, hätte er sich wahrscheinlich nicht träumen lassen. Sein Vergehen: Beachtung europäischer Statistikregeln.

Zurück ins Jahr 2010: Nach dem massiven Vertrauensverlust gegenüber griechischen Statistiken und einem vernichtenden Urteil der Europäischen Kommission über ihre Qualität wurde Elstat aus dem griechischen Finanzministerium

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